Wien. Kaffee, Tee, Bananen, Schokolade - diese Lebensmittel gibt es als fair gehandelte Produkte zu kaufen. Ein Smartphone mit Fair-Trade-Siegel ist dagegen noch nicht auf dem Markt erschienen.

Kein Wunder: Die etwa 30 Metalle, die in einem Smartphone stecken, werden häufig unter katastrophalen Bedingungen abgebaut. In Kobaltminen des Ostkongos etwa sind Arbeiter giftigen Dämpfen ausgesetzt. Auch Kinder arbeiten in den Schächten. Für die Schinderei wird nur ein Hungerlohn gezahlt. Zudem stehen die Minen zum Teil unter der Kontrolle von Milizen. Es soll Blut an den Geräten kleben, mit denen wir im Internet surfen und telefonieren.

Auch beim Zusammenfügen der Einzelteile geht es nicht mit rechten Dingen zu. Für die Arbeiter in asiatischen Fabriken gilt: hoher Druck, niedriger Lohn, viele Überstunden, wenige Rechte. Berüchtigt ist Foxconn. Dutzende Angestellte des Apple-Zulieferers nahmen sich das Leben. Vom iSlave ist die Rede - in Anspielung an die Produktpalette des Apfel-Konzerns.

Apple trat zwar der Fair Labor Association bei, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt. Von einem fairen iPhone kann aber nicht gesprochen werden. Die Fabrikarbeiter von Jabil Green Point müssen pro Monat über 100 zum Teil unbezahlte Überstunden leisten, berichtete China Labor Watch im September.

Auch Samsung ist alles andere als ein Vorbild. Die brasilianische Regierung klagte den Konzern im August wegen der Zustände in einer Fertigungsfabrik in Manaus. Die Arbeiter müssen 15 Stunden lang arbeiten, 10 davon stehend, lautet der Vorwurf. Auch die Zeitvorgaben sind gnadenlos: Das Handy soll mitsamt Ladegerät, Gebrauchsanweisung und Kopfhörer in nur sechs Sekunden verpackt sein. Immer die gleiche Tätigkeit, 6800 Mal am Tag.

Es geht hier nicht um irgendeine Branche. Das Smartphone steht im Zentrum von digitalisierten Gesellschaften. Mehr als eine Milliarde Stück wurden 2013 verkauft. Ob sich die Branchengrößen von einer kleinen Firma aus Amsterdam zum Umdenken bewegen lassen?

Sie heißt Fairphone und brachte im Herbst ein gleichnamiges Smartphone heraus. Die erste Auflage: 25.000 Stück. Das Mittelklassemodell läuft auf Android oder alternativ auf Firefox OS. Fair ist das Handy aber nicht. Nur zwei der verbauten Metalle - das Tantal in der Lötpaste und das Zinn in den Kondensatoren - sind nachweislich kein Konfliktrohstoff. Regionale Organisationen haben die Rohstoffe aus dem unruhigen Ostkongo zertifiziert. Damit ist sichergestellt, dass sie aus legalen Minen stammen.