Wien. (est) "Ihre praktische Hilfe kannte keine Grenzen. Als ich mich entschloss, die deutsche Fassung des Romans vom begrabenen Hund wesentlich zu ändern, borgte sie sich diese 350 Seiten, von überklebten Stellen, Streichungen, und Nachträgen verunkrautet. 14 Tage später brachte sie eine saubere, druckreife Abschrift vorbei."

So beschreibt Schriftsteller Pavel Kohout Gerda Neudeck in seinem heutigen Nachruf in der Prager Tageszeitung "Mladá fronta DNES". Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, verstarb die Direktorin der Zentralkanzlei von Karl Schwarzenberg am 22. Februar in Wien. Gerda Neudeck, geboren am 3. Oktober 1945 ebendort, war eine Meisterin der kurzen Wege und der Kunst, Menschen zu verknüpfen. Die ehemalige rechte Hand von Architekt Roland Rainer unterstützte die Unterzeichner der Charta 77 bei ihrer Ankunft im österreichischen Exil. Sie betreute Václav Havel während eines Aufenthaltes als Präsident der Tschechischen Republik. Das als Buch verfasste Gespräch "Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit" zwischen Barbara Tóth und Karl Schwarzenberg, den sie mit "der Fürst" betitelte, wurde von ihr konzipiert. Ihre Gäste waren stets handverlesen. "Ein Dutzend Maler, Musiker, eine Schauspielerin und ein Dirigent, verdanken ihren gelungenen Start der Tatsache, dass Gerda sie ermunterte, propagierte und von ihrem Gehalt unterstützte, das angesichts dessen, dass sie für drei arbeitete, nicht berauschend war", schreibt Pavel Kohout: "Ich bin ein Einzelkind. Und trotzdem ist jetzt in Wien meine Schwester gestorben."