Der Glamour von Ententröten-Millionären: die Robertsons. - © 2012 A+E Networks/ProSieben MAXX
Der Glamour von Ententröten-Millionären: die Robertsons. - © 2012 A+E Networks/ProSieben MAXX

"Er hatte in seinem Leben noch nie einen normalen Gedanken", sagt Jase über seinen Onkel Si. Wer besagten Onkel kennt, glaubt dem vorlauten Neffen aufs Wort. Si und Jase sind Mitglieder der Familie Robertson aus dem US-Bundesstaat Louisiana. Sie tragen Bart, sind sehr religiös, lieben die Entenjagd und sind Multimillionäre. Gemeinsam mit seinem Bruder Phil hat Si in den 1970er Jahren eine Firma gegründet, die auf den Verkauf von Lock-Tröten für die Entenjagd spezialisiert war. Mittlerweile ist aus der kleinen Firma ein millionenschweres Jagdsportartikel-Unternehmen geworden, und die Mitglieder der Familie Robertson sind zu TV-Stars avanciert.

Der amerikanische Kabelsender A&E hat aus dem Alltag der bizarren Familie, deren männliche Mitglieder man ob ihres Aussehens in den Medien gern mit der amerikanischen Blues-Rockband "ZZ Top" vergleicht, eine Reality-Dokumentation erschaffen. Ab dem heutigen Samstag sind die Abenteuer der Südstaatenfamilie erstmals im deutschsprachigen Free-TV zu sehen. Zum Auftakt zeigt der Sender ProSieben MAXX sechs Folgen von "Duck Dynasty" (Sa., ab 20.15 Uhr) am Stück. An den darauffolgenden Samstagen werden jeweils zwei Folgen ausgestrahlt.

Bereits nach der ersten Episode darf behauptet werden: Die Robertsons sind anders als alle bisherigen Reality-Familien. Die Männer tragen lange Haare und verdecken ihre Gesichter mit reichlich Bartwuchs, ihre Ansichten sind extrem konservativ und sie sind allesamt sehr dickköpfig, was in fast jeder neuen Episode zu publikumswirksamen Konfrontationen führt. Da gibt es die Oberhäupter der Familie: den Erfinder der Ententröten Phil und seinen Bruder, Kriegsveteran Si. Oder die Söhne Jase und Willie, die sich oft in skurrilen Wettkämpfen messen. Und wenn die Männer einmal nicht genügend Unterhaltung bieten, dann sind es ihre Frauen, die für ausreichend Filmmaterial sorgen.

Den Amerikanern gefällt es. Die offizielle Facebook-Seite der Serie hält derzeit bei über 7,7 Millionen "Likes". Zudem darf sie den Rekord für die am häufigsten eingeschaltete Doku-Serie eines Kabelsenders aller Zeiten in den USA ihr Eigen nennen. Im vergangenen Sommer verzeichnete der Auftakt zur vierten Staffel unglaubliche 11,8 Millionen Zuschauer.

Gegenüber der "New York Times" gab A&E-Senderchef David McKillop, angesprochen auf das Erfolgsgeheimnis der Serie, an: "Vieles, das wir Amerikaner in unserem Leben schätzen, repräsentieren die Robertsons - selbst erarbeiteter Wohlstand, Unabhängigkeit und drei Generationen, die alle unter einem Dach leben".

"Bringt Phil zurück"


Und weil es fast schon Tradition im Reality-Genre ist, kam auch die Entenjäger-Familie nicht ohne einen handfesten Skandal aus. Ausgelöst wurde er von Clan-Oberhaupt Phil persönlich. In einem Gespräch mit einem "GQ"-Reporter bezeichnete der gläubige Christ auf Nachfrage, was er für sündhaft halte, Schwule als "Missetäter" und stellte Homosexualität in eine Reihe mit Sodomie und Promiskuität. Auch die Lage von Afroamerikanern zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung im amerikanischen Süden wurde von dem 67-Jährigen verharmlost. Als Reaktion auf die darauf folgende öffentliche Diskussion, suspendierte der Sender Phil mit sofortiger Wirkung von den Dreharbeiten, was bei den Fans der Serie zu einer hitzigen Debatte führte. Sie bezichtigten den Sender der Doppelmoral, da die Serie nicht zuletzt auch für die stets präsenten, politisch inkorrekten und frauenfeindlichen Äußerungen der männlichen Protagonisten bekannt ist. Tausende unterzeichneten die Online-Petition "Bring Phil back" - mit Erfolg. Mittlerweile hat der Sender die Suspendierung wieder aufgehoben und sendet momentan die fünfte Staffel der erfolgreichen Doku-Serie.

Es sieht also ganz danach aus, als ob die schrulligen Entenjäger aus Leidenschaft ihren Fans noch einige Jahre erhalten bleiben.