Fast 19 Jahre Late Night - ein TV-Denkmal tritt ab. - © dpa
Fast 19 Jahre Late Night - ein TV-Denkmal tritt ab. - © dpa

Wien. (bau) Das deutschsprachige Feuilleton hatte es nicht immer leicht mit Harald Schmidt. Als 1995 die "Harald Schmidt Show" erstmals auf Sat1 auf Sendung ging, hieß es, er sei lediglich eine schlechte David-Letterman-Kopie und werde sich nicht lange halten. 19 Jahre und drei TV-Sender später tritt Harald Schmidt nun doch noch zu seiner letzten TV-Sendung auf Sky an.

Etwas spät, freilich, um ein saloppes "Wir haben es ja immer gewusst" in den Raum zu stellen. Denn Schmidt brauchte zwar lange, erreichte aber bei Sat1 schließlich durchaus Kult-Status. Als "letzte Bastion der Vernunft im deutschsprachigen Fernsehen" wurde er einmal bezeichnet - zu Recht. Denn keiner konnte so bissig gegenüber dem eigenen Medium sein wie Schmidt. Er prägte den Ausdruck des "Unterschichtenfernsehens" zu einer Zeit, als sein eigener Sender sich dem gepflegten Dreh an der Abwärtsspirale durchaus nicht verschloss.

Kreativpause ohne Ende


Als 2003 in Folge der Kirch-Pleite bei Sat1 Senderchef Martin Hoffmann gekündigt wurde, ging auch Schmidt in die "kreative Pause". Das Wiederaufleben seiner Sendung bei der ARD gelang nicht zufriedenstellend: Die Sendung wurde bei bescheidenen Quoten erst nur zwei-, dann dreimal die Woche gesendet, nicht wie bei Sat1 werktäglich. Das ist aber das Wesen einer Late-Night-Show: dass sie jeden Tag da ist und damit zur Routine des Tagesabschlusses taugt. Das Engagement von Oliver Pocher als Sidekick gab der Sendung den Todesstoß. Als Schmidt dann bei Sky anheuerte, war klar: Da ist die Luft raus. Dennoch hielt der Sender tapfer durch, bis nun das "Aus" wegen Sinnlosigkeit nicht mehr zu vermeiden war. Die letzte Sendung wird als große Gratis-Party inszeniert und wird neben Sky Hits auch auf Youtube zu sehen sein. "Dirty Harry" begrüßt als musikalischen Gast Judith Holofernes. Zur Seite stehen Schmidt auch seine Sidekicks aus jüngster Zeit, etwa Olli Dittrich und Nathalie Licard. Ab Herbst wird sich der vielseitige Fernseh- und Bühnenmensch dann einer anderen Leidenschaft widmen, wenn er sein eigenes Studio in Köln-Mülheim als Theater nützt. Vielleicht gelingt Harald Schmidt, der sich selbst als Schauspieler immer zweitklassig sah, auch der Sprung auf eine große Bühne: Das Burgtheater sucht bekanntlich gerade einen neuen Direktor.