Berlin. Statt eines großen TV-Coups wurde es ein ausgewachsener Flop: Mit der "Millionärswahl" legten ProSieben und Sat.1 Anfang des Jahres eine Bruchlandung hin. Die Verbindung vom Kandidatenaufruf im Internet und der Ausstrahlung im alten Medium Fernsehen fiel bei den Zusehern durch. Einen Brückenschlag zwischen den Mediengattungen wagt nun die ARD, die das "Quizduell" auf den Bildschirm holen will.

Das Ineinandergreifen der beiden Parallelwelten Fernsehen und Internet scheint längst nicht zu funktionieren; zumindest nicht, wenn Fernsehmacher die Netz-Community für ihre Interessen gewinnen wollen, so wie im Fall der "Millionärswahl". Nun betritt ausgerechnet die alte Lady ARD Neuland und entwickelt ein Fernsehformat, das dem Siegeszug einer App für die Flimmerkiste nutzen soll: Das "Quizduell" soll demnächst im Vorabendprogramm für Belebung sorgen.

Das Quiz am Vorabend
14 Millionen registrierte Teilnehmer und neun Millionen regelmäßige Spieler in Deutschland bilden laut ARD das Potenzial für eine erfolgreiche Rückkehr des Genres Quiz in den Vorabend, das mit dem Weggang von Jörg Pilawa zum ZDF 2010 begraben wurde und weitestgehend den Schmunzelkrimis in der Reihe "Heiter bis tödlich" Platz machen musste. Es liege nahe, die beeindruckende Erfolgsgeschichte des "Quizduells" ins Fernsehen zu übertragen, sagt Jan Schulte-Kellinghaus von der ARD Koordination Vorabend.

Damit würde "Das Erste" als erster Sender weltweit eine TV-Show aus einer Smartphone-App entwickeln und zur Ausstrahlung bringen, heißt es weiter. "Unser Ziel ist es, in der TV-Show den multimedialen Charakter der App zu erhalten und so den Zuschauern die Möglichkeit des Mitspielens auch vor dem Bildschirm zu eröffnen." Doch noch seien offene Fragen zu klären, ehe das "zugegebenermaßen ehrgeizige Vorhaben" auch tatsächlich umgesetzt werden könne.

"Second Screen" oder Zurücklehnen?
Medienkritiker Bernd Gäbler, früher Chef des Grimme-Instituts in Marl, sieht das Bemühen der klassischen Programmanbieter um die digitale Generation mit Skepsis. "Ich wage die Prognose: Das Publikum der ARD am Vorabend wird zur überwiegenden Mehrheit beim passiven 'lean back' bleiben", sagt Gäbler und meint damit: Wer im "Ersten" Ratespiele konsumieren will, gehört nicht zu denen, die sich aktiv auf einem anderen Bildschirm, genannt "second screen", am TV beteiligen würden, sondern er will einfach nur fernsehen.

Immer noch wirke das Zusammenspiel von Internet und TV wie ein Experiment - "gut gemeint, aber etwas dilettantisch realisiert", fährt der Kritiker fort. "Von einer echten Verzahnung der Medien, von einem großen crossmedialen Format, gar einem Durchbruch zur Interaktivität kann noch keine Rede sein." Auch Pilawa interessiere offensichtlich nicht der Transfer aus der digitalen Welt ins TV. Heiß mache ihn wohl schlicht die Tatsache, dass schon viele Millionen Menschen das "Quizduell" spielten.

Neben dem "Quizduell" springt auch das Online-Satiremagazin "Postillon" beim NDR ins TV. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender haben schon viel Interaktion versucht: Bei Talks werden Twitter-Tweets vorgelesen, Krimis wie der "Tatort" werden im Netz fortgesetzt. Im Privat-TV zum Beispiel setzt ProSieben "Germany's next Topmodel" nach dem Fernsehen mit dem Web-Magazin "Etage 7" fort, doch harmonisch und wie aus einem Guss sind die Versuche der Integration nicht gerade. Die Video-Plattform Youtube dient dem TV auch als Vehikel: Ob für Pannenshows oder zur Bewerbung fürs Torwandschießen beim ZDF-"Sportstudio".