Washington. Unter amerikanischen Journalisten gibt es einen neuen Gründergeist. Viele bekannte Medienpersönlichkeiten haben in letzter Zeit ihre renommierten Nachrichtenhäuser verlassen, um eigene Ideen im Internet umzusetzen. Ezra Klein ist so ein Beispiel. Anfang des Jahres wechselte der junge Star-Blogger der "Washington Post" zu einem rein digitalen Medienunternehmen. Bei "Vox Media" leitet er ein neues Projekt, das noch dieses Jahr online gehen soll.

Klein, den die "Post" selbst als "Blogger-Wunderkind" bezeichnete, war 2009 im Alter von 24 Jahren zu der renommierten Zeitung gekommen. Dort baute er mit acht Mitarbeitern einen Blog zu Politik- und Wirtschaftsthemen auf und sammelte erfolgreich Klicks für den Online-Auftritt des traditionsreichen Zeitungshauses.

Er ist nicht der Erste. Zwei langjährige Autoren des weltweit gelesenen "Wall Street Journal" kündigten ihren Job, um Anfang des Jahres eine Website für Technik-Themen ins Netz zu stellen. Auch die "New York Times" hat Mitarbeiter eingebüßt: Nate Silver, der als treffsicherer Wahlvorhersager über US-Grenzen hinaus Bekanntheit erlangte hatte, baut derzeit seinen Statistik-Blog mit neuen Geldgebern aus. Kolumnist David Pogue schreibt seit vergangenem Herbst für ein digitales Start-up von Google-Konkurrent Yahoo. Und Anfang des Monats gab die "Times" bekannt, ihr langjähriger Chefredakteur und Pulitzer-Preisträger Bill Keller werde das Haus verlassen - ebenfalls für ein neues Online-Projekt.

Ezra Klein kritisierte nach Bekanntwerden seines Wechsels, die etablierten Medien würden die Möglichkeiten des Internets nicht ausschöpfen. "Wir haben die Begrenzungen der alten Technologie auf eine neue übertra-gen." Es sei verständlich, dass eine Tageszeitung aus Platzgründen nur das Aktuellste liefern könne. Aber "im Internet gibt es diese Einschränkungen nicht".