Wien. Zu sagen, dass die Stimmung bei den heimischen Filmproduzenten schon besser war, ist ein Euphemismus. Man könnte auch sagen: Sie ist katastrophal. Denn die kleine Branche muss dieses Jahr einen Ausfall von 30 Millionen Euro im Vergleich zu 2012 verkraften. Damals gab der ORF noch 104 Millionen Euro für eingekauftes, heimisches Programm aus. 2013 waren es 95 Millionen, 2014 plant der ORF lediglich 75 Millionen.

Für TV-Produzent und Vorstand von Film Austria, Kurt Stocker, ist das "unpackbar und ein Irrsinn!" Da beim Film 60 Prozent der Kosten ins Personal gehen, sieht die Branche mit diesem Kahlschlag 1500 Arbeitsplätze gefährdet. Nicht nur, dass der Staat für diese Menschen aufkommen müsse, der ORF schade sich damit in erster Linie selbst. Schließlich bringe heimisches Filmmaterial höhere Quoten.

Daher fordert die Filmbranche nun in einer Petition, dass gesetzlich festgelegt wird, dass der ORF 20 Prozent seiner Gebührenerlöse für den heimischen Film reservieren muss. Das wären derzeit etwa 120 Millionen Euro pro Jahr. Eine entsprechende Petition steht bei Open Petition online und wurde bereits von mehreren tausend Menschen unterzeichnet. Als Hintergrund ortet Stocker beim ORF den Ausfall der Refundierung der Gebühren von Menschen, die davon aus sozialen Gründen befreit sind. Als Ausgleich dafür erhielt der ORF zuletzt 35 Millionen Euro jährlich. Die Refundierung lief Ende 2013 aus und wurde mangels politischem Konsens nicht verlängert. Für Stocker "ein Missbrauch": "Das Geld wurde in der Vergangenheit schon öfter zur politischen Disziplinierung der ORF-Führung eingesetzt. Wir sind der Kollateralschaden."

Film trägt Last der Kürzung

Warum der ORF mit seinen 980 Millionen Euro Jahresbudget nun ausgerechnet beim Film in einem Jahr 20 Millionen kürzt, kann Stocker nicht nachvollziehen: "Es gibt ja auch andere Bereiche." Dem widerspricht ORF-Pressesprecher Martin Biedermann: "Wir sparen auch in anderen Bereichen, insgesamt 80 Millionen alleine in diesem Jahr."

Würde der ORF die Gebührenrefundierung wenigstens zum Teil bekommen, würde diese "zu hundert Prozent" in den Film fließen. Eine gesetzliche Quote kann sich Biedermann nicht vorstellen. Auch ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis kann den "Grant" nachvollziehen. Aber: "Wenn man der Politik erlaubt, eine verpflichtende Verteilung vorzugeben, dann wäre das eine Aufweichung der Unabhängigkeit. Interventionen wären Tür und Tor geöffnet."