Der neue Newsroom der British Library bietet Print- und Multimedia-Inhalte. - © British Library/Charles Birchmore
Der neue Newsroom der British Library bietet Print- und Multimedia-Inhalte. - © British Library/Charles Birchmore

London. Wer Spaß am Lesen hat oder einfach nur Lust am Stöbern, der ist in St. Pancras in London an der richtigen Adresse. Just lädt die britische Nationalbibliothek - die British Library - in einen neuen Saal ein, der ganz allein der Durchsicht von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk-Nachrichten und News-Webseiten gewidmet ist.

Ein bisschen Zeit muss man bei dem Besuch allerdings mitbringen. Schon bei der Auswahl des rechten Stoffes könnte man sich verzetteln. 750 Millionen Zeitungs-Seiten nämlich umfasst das Angebot der Library, daneben stehen 40.000 einzelne TV- und Radio-Programme auf Abruf bereit.

Täglich wächst dieses Archiv um 60 Stunden, um einen Nachrichten-Ausstoß aus 22 verschiedenen Kanälen. Und um sieben Regalmeter Printware an der papierenen Front. Wer das britische Zeitungswesen für tot erklärt hat, kann sich hier eines Besseren belehren lassen. Was nicht bedeutet, dass man nicht gleichzeitig im elektronischen Material versinkt.

Ein halbes Jahr nach der Schließung ihrer alten Zeitungsarchive im Nord-Londoner Stadtteil Colindale hat die British Library jetzt wieder den Zugang zu ihrer Medien-Schatzkammer eröffnet. Diesmal mitten in London, in den Gemäuern des monumentalen Hauptgebäudes der Library von St. Pancras - und in Gestalt eines modernen Medienzentrums.

Mikrofilme und Blogs


"The Newsroom" hat man dieses Zentrum getauft - um darauf hinzuweisen, dass es sich nicht mehr bloß um einen Lesesaal handelt. Denn von News auf Mikrofilmen bis hin zu Blogs und digitaler Nachrichtengebung aller Art ist hier alles angeboten. Und natürlich kann man sich auch immer noch in die traditionelle Form der gedruckten Information vertiefen.

Die Archive der British Library gehen Jahrhunderte zurück. Erste Chroniken, die man gesammelt hat, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Wundersame Stücke, kurioseste Blätter enthalten diese Zeitungslager. Einige Titel, wie der erstmals 1713 veröffentlichte "Stamford Mercury", existieren heute noch.

Neuere Zeitungen, von der "Times" bis zum "Guardian", sind vollständig hier gesammelt. Seit alters her sind britische Verlage verpflichtet, ein Exemplar ihrer jeweils neusten Ausgabe an die Library zu liefern. Höchstens die Bibliothek des US-Kongresses in Washington kann sich mit einer solch umfassenden Sammelleidenschaft noch messen. Presseleute und Historiker, Filmproduzenten und Medienstudenten, Schriftsteller und Dokumentaristen sind dankbar für diesen phänomenalen Schatz.