Das Gratis-Haus, das keines ist. Die FPÖ Niederösterreich ist empört, dass die Flüchtlinge ein schönes Zuhause haben. - © Screenshot/Facebook
Das Gratis-Haus, das keines ist. Die FPÖ Niederösterreich ist empört, dass die Flüchtlinge ein schönes Zuhause haben. - © Screenshot/Facebook

"Wir regen uns auf und schauen weiter zu! Es wär Zeit für "Aktionen", ich wär dabei…" So machte sich ein Facebook-User nach dem Lesen eines Artikels der "Kronen Zeitung" Luft. Grund dafür ist das aktuelle Heim der ehemaligen Votivkirchen-Flüchtlinge. Sie würden "gratis in einer Luxuswohnung" leben, schreibt man. Kurze Zeit später teilte auch die FPÖ Niederösterreich den "Mega Skandal" über ihren Facebook-Account. Die FPÖ ist empört, der "Enthüllungsbericht" zieht im Netz seine Kreise. Dass Asylwerber nicht in bitterer Armut hausen, weckt den Unmut vieler Gleichgesinnter.

Zur Vorgeschichte: Redakteure des Boulevard-Blattes hatten sich zur  "schmucken Unterkunft" der Flüchtlinge aufgemacht und beschrieben, wie es sich "die ehemaligen Gotteshausbesetzer in der idyllischen Wiener Vorstadt gemütlich gemacht" haben. Getarnt als "Freunde eines Nachbarn", wie die Refugees gegenüber einer Aktivistin den Besuch schilderten, und ohne Ankündigung tauchten sie vor ihrer Tür auf und wurden auch ohne Misstrauen hineingelassen. Besonders heikel dabei: Ohne Unkenntlichmachung veröffentlichte die Tageszeitung Fotos der Männer sowie des Hauses in Wien Donaustadt. Das ist nicht nur datenschutzrechtlich problematisch, auch lässt sich nicht vorhersagen, ob der Facebook-Poster es nur beim virtuellen Empörung belässt.

Asylwerber im Luxus

Der Ton des Artikels ist hetzerisch. Der gewohnt populistische Sprech der "Krone" lädt die Leser förmlich ein, in Neid und Missgunst zu erblassen. Die Botschaft ist eindeutig: Für die Asylsuchenden der pure Luxus, während sich die (österreichische) Bevölkerung mit einer Gemeindewohnung begnügen müsse. Schlicht falsch (recherchiert) ist die Behauptung, die Caritas würde die Männer betreuen, wie Caritas-Sprecher Klaus Schwertner via Twitter erklärte.

Einige Fragen tun sich auf: In welcher Verbindung steht der Drohposter mit der FPÖ Niederösterreich? Die Partei hatte sein Kommentar direkt auf ihrer Facebook-Seite geteilt und machte in ähnlicher Manier Stimmung gegen die Flüchtlinge. Der Sprecher der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch, Alexander Pollak, hat bereits Polizei und Verfassungsschutz informiert und eine Überprüfung der Sachlage gefordert. "Wir finden es vor allem sehr problematisch, dass ein Foto des Hauses veröffentlicht wurde. Und auch die Reaktion von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Artikel spricht Bände", so Pollak zur "Wiener Zeitung".

Jeder Bewohner zahlt 120 Euro

Für das vermeintliche "Gratis-Haus" zahle jeder der Bewohner 120 Euro monatlich, insgesamt müsse eine Monatsmiete von 1.600 Euro aufgewendet werden. Es ist die Summe, die Asylwerber in Wien im Rahmen der Grundversorgung für eine Unterkunft erhalten. Die Flüchtlinge kritisieren, dass genau die geringe Summe verantwortlich dafür sei, weshalb vielen Asylsuchenden nur die Möglichkeit bleibe, isoliert in Pensionen und "illegal" in Privatwohnungen unterzukommen.

Das Haus biete "eine Vergrößerung der eigenen Entscheidungsspielräume und Kontrolle über einen wichtigen Teil des Lebens", schreiben sie auf der Website refugeecampvienna.
Dass sie dabei nicht in einer abgeschotteten "Flüchtlingszone", sondern in einem Wohngebiet wohnen, das fast ausschließlich von Österreichern besiedelt sei, würde helfen, gegen Vorurteile und Rassismus anzukämpfen. Hier könnten sie den politischen Protest gemeinsam fortsetzen, sagte Refugee-Aktivist Khan Adalat.

Das Online-Forum unter dem "Krone"-Artikel wurde übrigens vorsorglich deaktiviert. Man weiß warum.