Wien. Auf die Spuren der Gruppe 39 heftete sich der ehemalige APA-Chef Wolfgang Vyslozil für sein Buch "Character, Business and Policy of Independent News Agencies in Europe". Thema des Werks, das Vyslozil im Presseclub Concordia präsentierte, sind unabhängige Nachrichtenagenturen. Deren gibt es weltweit unter insgesamt etwa 100 ganze 22.

Als Role Model nimmt Vyslozil dabei die Gruppe 39 ins Visier. Der Name bezieht sich auf das Gründungsjahr 1939: Als mit dem sich abzeichnenden Kriegsausbruch die großen Nachrichtenagenturen aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Frankreich zunehmend zu Spielbällen nationaler Interessen wurden und dementsprechend manipulierte Meldungen in Umlauf setzten, schlossen sich Agenturen aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Holland Belgien und der Schweiz zu einer Vereinigung zusammen, um ihre Dienste ohne Einflüsse der Politik auszutauschen. Die Vereinigung überdauerte zunächst nur ein Jahr. Nach Kriegsende wurde sie aber reaktiviert und 1956 um die Austria Presse Agentur bereichert.

In der an Vyslozils Vortrag anschließenden Diskussion erläuterten der Autor, ORF-Moderator Armin Wolf, der heutige APA-Geschäftsführer Peter Kropsch und Eva Weissenberger, Chefredakteurin der Kärntner "Kleinen Zeitung", unter der Leitung von APA-Chefredakteur Michael Lang die heutigen Perspektiven unabhängiger Nachrichtenagenturen wie der APA. Diese sehen sich mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Einerseits kämpfen Zeitungen - deren Großteil ja ihre Genossenschafter sind - mit Umsatzeinbrüchen. Anderseits ist ihr Vermittlungsmonopol durch den technologischen Wandel und insbesondere durch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter weggebrochen.

Launiger Dialog

Zu diesem Wandel der Informationsbeschaffung entspann sich ein launiger Dialog zwischen Lang und Wolf. "Herr Wolf", sagt der APA-CR zum ORF-Anchorman, "Sie waren als APA-Fan bekannt und geliebt. Dann haben Sie irgendwann einmal gesagt, ,Twitter ist die neue Nachrichtenagentur‘ und flugs ist die Liebe erkaltet."

Wolf: "Na, ihr seid vielleicht exzentrische Liebhaber... Man muss differenzieren: Würde man mich zwingen, mich zwischen APA-Anschluss und Twitter-Account zu entscheiden, müsste ich mich für den Twitter-Account entscheiden. Weil ich da alles kriege, was ich brauche. Die APA ist für mich nicht so sehr wegen aktueller Meldungen als vielmehr als Zeitungsarchiv wichtig. Dieses - leider völlig überteuerte - Archiv ist eine der besten Leistungen, die die APA anbietet."