Ein blauer Dinosaurier als Symbol für mehr Datenschutz bei Facebook. - © Facebook Screenshot
Ein blauer Dinosaurier als Symbol für mehr Datenschutz bei Facebook. - © Facebook Screenshot

WWWeb. Gut Ding braucht Weile. Oder einen handfesten NSA-Skandal. Am Ende ist es meist egal, was der Auslöser war, Hauptsache das Ergebnis stimmt. Im Falle von Facebook, jenem sozialen Netzwerk, das bislang bei jeder Änderung seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Rechte der Nutzer beschränkt hat, ist es positiv.

Zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte stärkt Facebook die Rechte der Anwender. Ob es dem NSA-Skandal, Abwanderungstendenzen oder einem tatsächlichen Sinneswandel entspringt, egal. Facebook will transparenter, offener und netter werden - und hat seine AGB entsprechend adaptiert.

Anwender, die ein neues Konto bei Facebook anlegen, teilen ihre Einträge nun nicht mehr automatisch mit der ganzen Facebook-Welt, also allen anderen Nutzer, sondern nur mehr mit den eigenen Freunden. Diese neue Standard-Einstellung muss nunmehr bewusst geändert werden, will man tatsächlich die ganze WWWwelt an seinem Leben teilhaben lassen.

Image-Kampagne


Experten gehen davon aus, dass die neueste Änderung der Privatsphäre-Einstellungen ein weiterer Teil der Image-Kampagne des Unternehmens ist. Immerhin will sich Facebook seit kurzem als nutzerfreundliches soziales Netzwerk darstellen. Seitdem Edward Snowden die Überwachungspraktiken der NSA publik gemacht hat, kämpfen die US-amerikanischen IT-Unternehmen gegen ihren schlechten Ruf. Weltweite Aktionen gegen den Einsatz US-amerikanischer Software haben Spuren im Image der Konzerne hinterlassen. Egal ob Google, Microsoft oder Facebook, es bedarf einiger Anstrengungen, um das Vertrauen der Kunden, sowohl im In- wie auch im Ausland wiederherzustellen.

Dies erklärt, warum sich Facebook nun als kundenfreundlicher und offener präsentieren will. Nach der Übernahme des beliebten Kommunikationsdienstes WhatsApp befürchteten Nutzer eine umfassende Ausbeutung ihrer Daten und unkontrollierbare Werbeauswüchse. Doch dies scheint kein Thema mehr zu sein. Immerhin änderte Facebook nicht nur die Standard-Einstellungen, sondern hat weitere Features angekündigt.

Zu den weiteren Neuerungen zählt ein "Facebook-Dinosaurier" (siehe Bild), der Anwender auf Privatsphären- und Datenschutz-Einstellungen hinweisen soll. Im Grunde handelt es sich um eine Checkbox in Form eines blauen Comic-Dinosauriers, der genau nachfragt, mit wem der Nutzer den Inhalt wirklich teilen möchte. Facebook will seine Mitglieder laut eigenen Angaben so vor unliebsamen Überraschungen schützen. "Wir wollen, dass die Leute wissen, mit wem sie etwas teilen und sich dabei wohlfühlen", so die Betreiber des sozialen Netzwerks in einer Aussendung.

Allerdings dürfen sich die Nutzer mit den neuen Funktionalitäten nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass noch immer viele Fragen offen sind. So recht weiß niemand, mit wem Facebook seine gewonnenen Daten und Inhalte sonst noch teilt. Sowohl die Privatsphäreneinstellungen als auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind alles andere als übersichtlich und transparent. Daran ändert selbst der kleine, blaue Dino nichts - aber vielleicht ist es ja ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.