Seb Coe bei den Olympischen Spielen in London. - © Mason/Corbis
Seb Coe bei den Olympischen Spielen in London. - © Mason/Corbis

London. Der Wettlauf hat noch nicht einmal begonnen. In Westminster aber sieht man schon "Good Old" Sebastian ("Seb") Coe im Ziel. Der Mann, der ursprünglich auf der Aschenbahn berühmt wurde, dann eine Weile Tory-Politik machte und zuletzt als Organisator der Olympischen Spiele in London glänzte, soll nun auch Rundfunkrats-Chef beim größten Sender der Welt werden.

Lord Coe, heißt es, sei von Downing Street als Vorsitzender des Trusts der British Broadcasting Corporation - der BBC - vorgesehen. Premierminister David Cameron, berichtet die BBC-Rivalin ITV, habe Sebastian Coe ein entsprechendes Angebot gemacht. Der Trust ist das oberste Aufsichtsgremium über die berühmte Anstalt. Er soll die Interessen der Zuschauer gegenüber der BBC vertreten. Er hat den früheren Rat der BBC-Gouverneure ersetzt.

Offiziell gibt es für den BBC-Top-Job bisher nicht einmal eine Kandidatenliste. Und noch vor kurzem fand Cameron, diesmal sei eigentlich eine Frau am Zug. Mehrere Bewerberinnen, allen voran die Ökonomin und amtierende Trust-Vorsitzende Diane Coyle, aber auch die Ex-"Financial Times"-Herausgeberin Marjorie Scardino hatten sich Hoffnungen auf diese Spitzenposition im britischen Medienbereich gemacht.

Die BBC-Führung verfügt unter anderem über ein Jugendstil-Juwel in Portland Place im Londoner West End. - © Steve Vidler/Corbis
Die BBC-Führung verfügt unter anderem über ein Jugendstil-Juwel in Portland Place im Londoner West End. - © Steve Vidler/Corbis

Nun ist dagegen von Sebastian Coe die Rede. Coe passt dem Tory-Regierungschef wohl am besten ins Programm. Der 57-Jährige ist nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten populär in Großbritannien. Er war auch Tory-Abgeordneter in den neunziger Jahren und sitzt jetzt für die Konservativen im Oberhaus.

Im Anlauf zu den Unterhauswahlen des nächsten Jahres könnte sich Coe für Cameron gewiss als nützlich erweisen. Mit einem "politischen Verbündeten" an der BBC-Spitze, freut sich schon die konservative "Sunday Times", könne der Premier wenigstens den "linken Neigungen" der Anstalt gegensteuern. Der Londoner Tory-Bürgermeister Boris Johnson findet die Information über Coe sogar "eine ganz fantastische Nachricht". Coe selbst fühlt sich "geschmeichelt" - sagt aber vorsichtshalber nicht mehr als das.

Ausgelöst wurde die Suche nach einem neuen BBC-Trust-Vorsitzenden durch die plötzliche Entscheidung des alten, den Posten aus Gesundheitsgründen zu räumen. Lord Chris Patten, auch er ein Tory-Politiker, hatte eigentlich noch ein paar Jahre im Amt bleiben wollen, um die BBC durch die Wahlen zu steuern und bei der für 2016 wieder anstehenden Erneuerung der BBC-Charta mitzuwirken.