Wer Bücher oder elektronische Geräte im Internet kauft, der geht zu Amazon. Hierzulande, aber nicht in China. Dort beherrscht ein anderer den Online-Shopping-Markt: Alibaba. Dieses bei uns noch recht unbekannte Unternehmen, 1999 gegründet, geht in diesem Sommer an die New Yorker Börse. Vor dem Debüt machen beeindruckende Zahlen die Runde. Der Wert der Firma wird auf mindestens 140 Milliarden Dollar taxiert. Und das Erlösvolumen beim Börsengang könnte bis zu 20 Milliarden Dollar betragen, meinen Beobachter. Mehr als Facebook bei seinem Start vor zwei Jahren platzierte.

Der vielleicht größte Börsengang der Technologiebranche - wer steckt dahinter? Alibaba vermittelt wie Amazon online bestellbare Waren aller Art. Die Marktplätze heißen Taobao, für Privatleute und Kleinunternehmer, und Tmall, wo sich große Firmen wie Levi’s tummeln. Und dann gibt es noch alibaba.com, das chinesische Hersteller und Händler, auch ausländische, zusammenbringt.

Auf Augenhöhe mit Amazon

Die Alibaba Group verdient zwar lange nicht so viel wie Amazon. Trotzdem befindet sie sich jetzt schon auf Augenhöhe mit dem US-Händler. Denn es bedient einen riesigen Markt, an den schon über 600 Millionen Chinesen angeschlossen sind. 230 Millionen von ihnen kaufen bei Alibaba ein, 248 Milliarden Dollar gaben sie 2013 aus. Amazon kann da nicht mithalten: 2013 soll es einen Warenwert von "nur" 110 Milliarden Dollar erreicht haben.

Jack Ma, der Gründer, genießt in China fast Popstar-Status. Er erfand Alibaba nicht in der Garage wie Bill Gates sein Microsoft, sondern in einer kleinen Wohnung im ostchinesischen Hangzhou. Eigentlich hätte das Unternehmen, das einmal so klein anfing, in Hongkong an die Börse gehen sollen. Aber Ma wollte, dass die Führungsriege die absolute Kontrolle über die Firma behält. Hongkong lehnte dies ab, da wurde es New York. Ein Beobachter sieht in dem Börsenstarter aus China das künftige Kraftwerk des globalen Online-Handels.

Dieses Kraftwerk stellt nicht nur Marktplätze ins Netz. Mit Alipay besitzt es auch ein Bezahlsystem, über das jede zweite Transaktion im chinesischen Internet läuft. Alipay ist größer und vielseitiger als Paypal. Und wer Geld benötigt, wendet sie ebenfalls an die Firma. Über Ali Finance verteilt sie Mikrokredite an kleine Händler und Konsumenten. Über 800 Millionen Dollar sollen 2012 zusammengekommen sein. Als digitale Bank tritt Alibaba also auch schon auf. Kurz vor dem Börsengang will der Internetriese nun auch noch den Browserhersteller UCWeb übernehmen. Die chinesische Nachrichtenagentur nannte den Schritt die wohl größte Übernahme in Chinas Internetgeschichte. Der Kaufpreis wurde zwar nicht genannt, er dürfte aber 1,9 Milliarden Dollar übersteigen - so viel hatte Chinas Suchmaschine Baidu für die Smartphone-Plattform 91 Wireless Websoft bezahlt.