Pionier: Das Headset Oculus Rift soll erst Spieler begeistern und dann in Raumfahrt und Medizin zum Einsatz kommen. - © reuters/Jonathan Alcorn
Pionier: Das Headset Oculus Rift soll erst Spieler begeistern und dann in Raumfahrt und Medizin zum Einsatz kommen. - © reuters/Jonathan Alcorn

Los Angeles. Computerspiele werden immer realistischer, immer besser und diesmal haben wir auch an die Spieler gedacht - so lässt sich das Credo der diesjährigen Computerspielmesse E3 (Electronic Entertainment Expo) am schnellsten zusammenfassen. Die großen Hersteller der Branche gaben sich in Los Angeles ein Stelldichein und gewährten Einblicke in kommende Entwicklungen, die Spieletrends der Zukunft und in einen Wirtschaftszweig, der mittlerweile auf Titel, deren Kosten im dreistelligen Millionenbereich liegen, setzt.

Treibende Kräfte, sowohl im Bereich der Konsolen wie auch der Spiele selbst, sind die großen Drei: Microsoft, Nintendo und Sony. Diese Hersteller liefern mit ihren Produkten Xbox One, Wii U beziehungsweise Playstation 4 die Plattformen, auf denen sich die Entwickler und Spieler austoben können. Allerdings wurden heuer keine neuen Endgeräte dieser Firmen vorgestellt, vielmehr ging es darum, die erst kürzlich vorgestellten Spielkonsolen mit entsprechend hochwertigen Spielen zu befüllen. Diese Aufgabe wiederum sollen die großen Spielehersteller, allen voran Ubisoft, Rockstar Games, Electronic Arts oder Disney erfüllen. Und in diesem Jahr tun sie dies auch mit einigen sehr vielversprechenden Spielen.

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Teure Großproduktionen


Eine interessante Facette bei den Präsentationen auf der E3 war in diesem Jahr auch, dass durch die Bank alle Hersteller die Bedeutung der Spieler in den Mittelpunkt stellten. "Wir haben auf euch gehört", "Wir bringen, was ihr wollt" oder "Wir sind die beste Plattform für die multimediale Unterhaltung". Interessant vor allem deshalb, weil es sich bei der E3, anders als bei der Games Convention in Köln, um eine reine Business-Messe handelt, die sich nur an ein Fachpublikum richtet. In diesem Jahr fanden sich daher auch Videospiele-Hersteller, Geschäftspartner, Medienvertreter und Branchenanalysten aus über 100 Ländern im Los Angeles Convention Center ein.

Der Wettlauf um treue Kunden, treue Entwickler und exklusive Titel hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt. Immer öfter sollen die Publisher ihre Spiele exklusiv für eine Plattform anbieten - zumindest einen gewissen Zeitraum - um so einen Wettbewerbsvorteil herausholen zu können.

Feststeht, dass sich die Spieler in der nächsten Zukunft auf einige Highlights freuen können. So wird das heißersehnte "Grand Theft Auto 5" im Herbst erscheinen. Ebenfalls noch heuer kommen die Großproduktionen der Dritthersteller wie etwa "Assassin’s Creed: Unity", "Destiny", "Far Cry 4" und "Battlefield: Hardline". Erst 2015 werden dann die prognostizierten Blockbuster "Uncharted 4" (PS4), "Halo 5" (XBO) und "Zelda" (Wii U) in den Handel kommen und so für neuen Schub in der Konsolenlandschaft sorgen. Ganz große Innovationen in puncto Gameplay bleiben aber aus. Die Beobachter der E3 sehen etwa den Taktikshooter "Rainbow Six: Siege" als Vorreiter bei modernen Techniken, um Häusergefechte in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Virtuelle Welten


Der Sci-Fi-Titel "Alien: Isolation" wiederum nimmt die Spieler aus ihrer treibenden Rolle als Gestalter des Ablaufs und macht sie zu Gejagten von Außerirdischen. Und wer schon immer als übermächtiges Monster gegen bis zu vier menschliche Spieler antreten möchte, kann dies bei "Evolve" tun. Ein grafisches Highlight wird von "The Order: 1886" versprochen, hier verbinden sich ein Shooter im Steampunk-Gewand mit modernen Kameratechniken aus Hollywood-Filmen. So werden Schlachten realistischer.

Ein größeres Thema werden nach Einschätzung der Experten in diesem Jahr auch virtuelle Headsets für das nahtlose Eintauchen in neue 3D-Welten sein. Bei der neuen Technologie, die auch für die Raumfahrt oder Medizin bedeutsam werden könnte, stellt sich die Spielebranche als Wegbereiter auf. Mit Oculus Rift will sich Facebook einen Pionier für virtuelle Welten in einem Milliardendeal einverleiben. Sony stellte sein "Project Morpheus" vor, eine vergleichsweise schlanke "Datenbrille", mit der der Spieler in virtuelle Spielewelten abtauchen kann. Noch handelt es sich um einen Prototyp, wann der marktreif sein wird, bleibt abzuwarten.