Graz. Es ist 47 Jahren her, dass der Eurovision Song Contest (ESC) zum ersten und bisher auch letzten Mal in Österreich stattfand. Heuer brachte die klanggewordene Auferstehung der Conchita Wurst den Sieg und das Event erneut nach Österreich. Fix ist seit Mittwoch lediglich eines: Das Finale wird am 23. Mai 2015 stattfinden. Wo, ist noch immer nicht klar. Letzte Woche wurde die Begutachtung der Locations in Wien, Innsbruck und Graz von einem ORF-Komitee abgeschlossen, eine Entscheidung wird bis Anfang August erwartet. Konkrete Angaben über Kosten und Nutzen einer derartigen Veranstaltung gibt es derzeit jedoch kaum bis gar nicht. Dennoch kämpft Graz trotz hoher Schulden um das Millionen-Projekt.

"Alle drei Locations sind noch im Rennen", bestätigt man von seiten des ORF, laufende Gespräche will man jedoch nicht kommentieren. "Nun erhalten die Bewerber eine ergänzende Fragenliste. Dabei geht es vor allem um die Abklärung, welche Infrastruktur die jeweilige Stadt zur Verfügung stellen kann", so ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Neu Marx und Olympia

Unterdessen legen sich die drei Bewerberstädte kräftig ins Zeug. Während Wien einerseits die Stadthalle für eine Austragung in Erwägung zieht und andererseits den Bau einer neuen Veranstaltungshalle in Neu Marx für mehr als 100 Million Euro andenkt (die "Wiener Zeitung" berichtete"), versucht Tirol, trotz nicht optimaler Voraussetzungen das Spektakel mit Angeboten in die Olympia Halle nach Innsbruck zu lotsen.

In Graz rührt Bürgermeister Siegfried Nagl von der ÖVP fleißig die Werbetrommel. Alle im Gemeinderat vertretenen Parteien mit Ausnahme der KPÖ sind sich einig: Der Eurovision Song Contest 2015 soll auf jeden Fall in der "Murmetropole" stattfinden. Die Stadthalle in Graz-Jakomini erfülle die meisten Anforderungen und bietet zusätzlichen weiteren Platz rund um das Gebäude. Dennoch wird die Stadt mittlerweile als Außenseiter gehandelt.

Über die genauen Investitionen und die Angebote der Städte gibt es vorerst noch keine handfesten Zahlen. Bisher geht man von 25 Millionen Euro an Kosten aus, wobei etwa zehn Millionen von der jeweiligen Stadt und dem Bundesland und der Rest vom ORF getragen werden müssten.

Trotz der Tatsache, dass Graz über eine Milliarde Euro Schulden hat, zeigt Nagl sich optimistisch. Immerhin liege der Werbewert des ESC für Graz laut Nagl bei 405 Millionen Euro. Dabei stützt er sich auf eine Studie, die vom deutschen Medien-Analysten Landau Media im Jahr 2011 für Düsseldorf unternommen wurde, wo der ESC 2011 stattfand.

Tatsächlich handelt es sich bei den ermittelten Werten lediglich um den Werbegegenwert oder das Anzeigenpreisäquivalent. Dieser Wert ergibt sich aus allen Erwähnungen Düsseldorfs in internationalen Medien sechs Monate vor bis einschließlich einen Monat nach dem Event. Er errechnet, wie viel es gekostet hätte, wenn man für all diese Einschaltungen hätte bezahlen müssen.

Laut der Studie war der Satz "Good Evening Düsseldorf" allein bei der Punktevergabe 43 Mal zu vernehmen. 114,5 Millionen Zuseher verfolgten den Gesangwettbewerb in den drei Finalshows. Die Kosten für die Stadt beliefen sich damals auf sieben Millionen Euro, plus 2,8 Millionen für ein temporäres Ersatzfußballstadion für Fortuna Düsseldorf. Die ARD investierte zwölf Millionen Euro und konnte durch Tickets, Sponsoreinnahmen und Teilnehmergebühren 3,8 Millionen Euro lukrieren. Düsseldorf profitierte in erster Linie bei Image und Tourismus mit 39,5 Prozent mehr Gästen als im Monat des Vorjahres. Eine konkrete Kosten-NutzenRechnung der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen gibt es allerdings nicht.

Trotz etwaiger zukünftiger Einnahmen durch Marketing und Werbung wäre es für Graz kein Leichtes, die Kosten für den ESC zu stemmen. "Es gibt zu der ganzen Sache noch immer keine konkreten Zahlen", mahnt KPÖ-Gemeinderätin Ina Bergmann. Im Moment gäbe es schon keinerlei Investitionsbudget für soziale Projekte oder Verkehrsfragen. Außerdem sei zu befürchten, dass das Geld wieder durch Einsparungen von Leistungen für die Bevölkerung aufgebracht werden muss.