• vom 01.08.2014, 16:19 Uhr

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Update: 05.08.2014, 14:29 Uhr

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Von Barbara Dürnberger

  • Auch die öffentlich-rechtlichen Sender wollen mit Unterhaltungs-Shows glänzen und schicken Prominente hinter den Grill.



Vielleicht hätten sich die Senderverantwortlichen an diesem Wochenende besser untereinander absprechen sollen. Zwar ist der Samstagabend im TV seit jeher prädestiniert für Unterhaltungs-Shows aller Art, an diesem Wochenende ist es aber definitiv zu viel des Guten.

Das Sommergrill-Spektakel mit Horst Lichter (l.), Mirjam Weichselbraun, Johann Lafer.

Das Sommergrill-Spektakel mit Horst Lichter (l.), Mirjam Weichselbraun, Johann Lafer.© ORF/ZDF/N. Kalle Das Sommergrill-Spektakel mit Horst Lichter (l.), Mirjam Weichselbraun, Johann Lafer.© ORF/ZDF/N. Kalle

Neben einer neuen Ausgabe von "Schlag den Star" (Sa., 20.15 Uhr, ProSieben) und einem Best-of von "Verstehen Sie Spaß?" (Sa., 20.15 Uhr, ARD) ist es im Spätprogramm dann erneut der deutsche Privatsender ProSieben, der mit einer Action-Show sogar Premiere feiert. Für "Crash Games - jeder Sturz zählt" (Sa., 22.55 Uhr, ProSieben) haben sich die Programmmacher aus dem Hause Endemol mit einer neuen Wortschöpfung gar selbst übertroffen: Eine "Physical-Gameshow" wollen sie dem Publikum bieten. Konkret bedeutet das vor allem, dass die Kandidaten körperlich mehr gefordert werden als in anderen Shows. "Ambitionierte Kerle, wagemutige Frauen, Crash-reiche Actionspiele" - so bewirbt ProSieben seine neue Game Show in sechs Teilen und zeigt, wie drei Kandidatenduos in selbst entworfenen Kostümen einen Hindernis-Parcours bewältigen müssen. Dabei sollten sie so wenig wie möglich stürzen, denn jeder Fehler oder Sturz bringt Minuspunkte. Die besten Teams kämpfen dann im Finale um immerhin 5000 Euro. Viel ist noch nicht über die Show bekannt, es darf aber angenommen werden, dass Zuschauer mit überdurchschnittlich ausgeprägter Schadenfreude an stürzenden und sich körperlich sowie emotional verausgabenden Kandidaten auf ihre Kosten kommen.


Den traurigen Höhepunkt an diesem Show-Wochenende bieten allerdings nicht die Privat- sondern die öffentlich-rechtlichen Sender. Mit einer Dauer von 150 Minuten und live aus dem Gerry-Weber-Stadion im deutschen Halle wird "Die große Grillshow" (Sa., 20.15 Uhr) gesendet. Und der Titel hält dabei, was er verspricht: Prominente treffen sich am Samstagabend in einer großen Halle, um gemeinsam zu grillen.

Auch wenn das Wetter in den letzten Wochen nicht gerade grillfreundlich anmutete, ist es doch mehr als bedenklich, an einem Samstagabend vom Publikum zu erwarten, anstatt mit Freunden selbst einen netten Grillabend zu veranstalten, diesen vor dem Fernseher zu verbringen. Und anderen beim Grillen zuzusehen.

Als Anreiz soll deshalb auch ein Wettstreit vor den Kameras ausgetragen werden: gesucht wird das beste "Eurovision-Grill-Team". Dazu treten je drei Prominente aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gegeneinander an. Für Österreich stehen Larissa Marolt, Barbara Wussow und Christina Stürmer hinter dem Grill. Von jedem Team soll unter Anleitung vom österreichischen "Vorgriller" und TV-Koch Johann Lafer ein Menü gezaubert werden, welches im Anschluss von einer Jury, bestehend aus Alexander Hermann, Ulrich Bernold und Sarah Wiener, verköstigt und bewertet wird. Für Abwechslung sollen Schaltungen zu Außenstellen in alle drei Länder sorgen, für die in Österreich das TV-Kochduo Andi und Alex bereitstehen. Nur bei der Moderation zeigt sich zumindest der ORF enttäuschend unoriginell: Er schickt einmal mehr Mirjam Weichselbraun vor die Kameras, die gemeinsam mit Spitzenkoch Horst Lichter das "XL-Sommergrill-Spektakel" moderieren wird.

Mit der neuen Show beweist der ORF so wieder, dass er den Faktor Unterhaltung im Programmauftrag sehr ernst nimmt - und er ist damit nicht alleine: Offenbar ist prominentes Grillen im TV derart erfolgversprechend, dass sich sowohl der deutsche als auch der schweizerische öffentlich-rechtliche Sender dazu entschlossen haben, im Sinne des Länderduells ihren Hauptabend damit zu verplanen. Und so wird nicht nur auf ORF2, sondern auch auf ZDF und SRF1 die prominente Grillerei zu sehen sein. Drei öffentlich-rechtliche Sender, zeigen also zur gleichen Zeit dieselbe Unterhaltungsshow. Dieses Vorgehen ist zwar nicht unbedingt neu, ob eine prominent besetzte Grillshow diesen Aufwand rechtfertigt, ist fraglich.

In diesem Sinne: Fernseher aus, dem Wetter trotzen und Grill an. Vielleicht lässt sich ja sogar der Nachbar zu einem Wettstreit herausfordern.




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Dokument erstellt am 2014-08-01 16:23:06
Letzte Änderung am 2014-08-05 14:29:01


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