Peter + Turrini = Skandal. Diese Gleichung definierte ein Naturgesetz des österreichischen Theaterkosmos’ der Sechziger- bis hinein in die Achtzigerjahre. Gefördert wurde der am 26. September 1944 in Sankt Margarethen im Lavanttal geborene Autor in seinen Anfängen, wie so viele, vom Komponisten Gerhard Lampersberg und dessen Frau Maja, die im Tonhof in Maria Saal ein Künstlerrefugium errichtet hatten, in dem auch Thomas Bernhard eine Zuflucht fand - jener Thomas Bernhard, der später in "Holzfällen" Lampersberg grausam verspottete und der Österreichs anderer großer Skandalautor war.

"Tod und Teufel" und Poesie

Doch während Bernhard in die genussvoll gepflegten braunen Wunden der Österreicher das Salz seiner obsessiven Sprache streute, zeigte Turrini vor allem die Probleme der Erniedrigten und Beleidigten der Gegenwart auf, erst in hartem Alltagsdialekt, dann in übersteigert gehobener Sprache. Das Theater Turrinis war ein Theater von Armut, Grausamkeit und Demütigung - auch ein Theater des Mitleids, doch das wollten die Zuschauer nicht begreifen, die mit lautstarken Unmutsäußerungen auf Stücke wie "Rozznjogd" oder "Sauschlachten" reagierten. Die Fernsehserie "Alpensaga", in der die Probleme der Landbevölkerung von 1900 bis 1945 frei von jeglichem Heimatkitsch aufgearbeitet wurden, entwickelte sich dann gar zu einem der größten Fernsehskandale Österreichs.

Auch 1990 gab es bei "Tod und Teufel" am Wiener Burgtheater einen Skandal, weil konservative katholische Kreise das Thema des sündigenden Priesters missverstanden. Das nächste Burgtheaterstück, "Alpenglühen", zeigte einen ungewohnt spielerischen und poetischen Turrini. Fast scheint es, als habe er mit diesem Stück seinem Schaffen die Leichtigkeit hinzugewonnen. Kritisch bleibt er, aber der Theaterberserker wird zum mahnenden Poeten. Und das in jeder Hinsicht: Im Vorfeld der Besetzung der Hainburger Au (1984) nahm Turrini, der sich als "linker Autor" versteht, an der "Pressekonferenz der Tiere" teil. Er trat als "Rotbauchunke" auf.