"House Of Cards" von Netflix (mit Kevin Spacey und Robin Wright) entstand aus Big Data. - © sky
"House Of Cards" von Netflix (mit Kevin Spacey und Robin Wright) entstand aus Big Data. - © sky

Wien. Wenn in New York oder Vancouver gegen Abend die Hauptfernsehzeit anbricht, geht das große Streamen los. Dann sorgt alleine Netflix in Nordamerika für etwa 30 Prozent des gesamten Download-Aufkommens. Der Dienst bietet Zugriff auf tausende von Filmen und Serien, die direkt im Internet konsumiert werden können. Streaming nennt sich die Technik. Der Nutzer lädt dabei nicht die gesamte Datenmenge auf den Rechner, sondern immer nur einen Teil des Videos, wobei die so stückweise ankommenden Daten in einem Zwischenspeicher landen.

Auch in Europa könnte Netflix die Datenautobahnen bald verstopfen. Letzte Woche ist der Dienst unter anderem in Österreich online gegangen. Nutzer dürfen sich nun Filme und Serien anschauen, so viele sie wollen und wann sie wollen. Dafür wird eine Monatspauschale fällig.

Der US-Anbieter wird das Fernsehen verändern. Nicht etwa, weil Blockbuster vermehrt auf dem Tablet abgespielt werden. Sondern weil bei Netflix zwei Dinge zusammenfließen: Fernsehkonsum und Big Data. Die Streaming-Technik lässt es zu, Sehgewohnheiten bis ins Detail zu beobachten. Netflix nutzt diese Möglichkeit aus. Während es sendet, empfängt es auch: einen Haufen von Rohdaten, die nur noch analysiert werden müssen.

Und das funktioniert so: Startet der Nutzer einen Film, wird dieser Vorgang in der Zentrale im kalifornischen Los Gatos registriert. Dort sollen im Jahr 60 Milliarden einzelne Daten zusammenlaufen. Netflix kann daraus ablesen, wer sich welchen Titel zu welchem Zeitpunkt ansieht. Auch die Zahl der Unterbrechungen entgeht der Firma nicht. So kann sie ihre Algorithmen verbessern und so immer passendere Empfehlungen abgeben: Diese Komödie würde Ihnen bestimmt auch gefallen! Ein Prinzip, das von Amazon bekannt ist.

Die Algorithmen sollen möglichst exakt vorhersagen, für welchen Titel sich ein Nutzer als Nächstes entscheidet - und ihm diesen anbieten. So gibt es keinen allgemeinen Netflix-Auftritt, stattdessen bekommt jeder seine persönliche Seite zu sehen, abgestimmt auf individuelle Vorlieben. Diese werden nicht etwa in grobe Raster eingeteilt. Netflix hat einen ganzen Genre-Kosmos geschaffen, fast 77.000 Filmkategorien, wie in "The Atlantic" zu lesen war. Zur Auswahl stehen unter anderem: emotionale Sportfilme, Mutter-Sohn-Konflikte, Horrorfilme mit bösen Kindern, romantische Krimis aus China, düstere Gangsterdramen. In winzig kleine Teile lässt sich die Filmwelt mit Hilfe von Algorithmen zerlegen.