Preisregen: Corinna Milborn (Puls4) erhielt den Wiener Journalistinnenpreis, Florian Klenk (Falter) den Rode-Preis. - © Henisch
Preisregen: Corinna Milborn (Puls4) erhielt den Wiener Journalistinnenpreis, Florian Klenk (Falter) den Rode-Preis. - © Henisch

Wien. (bd/bau) "Die Justiz hat kein Verständnis der Welt, und die Presse kennt die Justiz nicht." Es sind dies zwar die einleitenden Worte der Laudatio des diesjährigen Walther Rode-Preis, doch sein Empfänger ist jemand, auf den zumindest Letzteres gewiss nicht zutrifft. Der heurige Preisträger Florian Klenk kennt die Zusammenhänge zwischen Presse- und Justizwesen wie kaum ein anderer Journalist in Österreich. Als Jurist und Chefredakteur der Wochenzeitung "Falter" ist er Spezialist für Reportagen, die sich oft gegen kleine und große Ungerechtigkeiten des täglichen Strafvollzugs richten. Seine investigativen Geschichten sorgen innerhalb Österreichs regelmäßig für Aufsehen.

Der Preis in Höhe von 5000 Euro wird vom Medienhaus Wien seit 2011 für vorbildlich guten Journalismus, der wissenschaftlich begründbaren Qualitätskriterien entspricht, vergeben. Die Preisträger werden dabei von den Gründungsgesellschaftern Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Alfred Noll und Astrid Zimmermann ausgewählt.

Im vierten Jahr sei man nun "bei unserem Preis im Genre gelandet", unterstrich Andy Kaltenbrunner den diesjährigen Schwerpunkt "Medien und Justiz" und freute sich, unter den Gästen mit Justizminister Wolfgang Brandstetter erstmals auch ein österreichisches Regierungsmitglied begrüßen zu dürfen. Er sei sich zudem sicher, "dass auch der Namensgeber unserer Auszeichnung mit diesem Preisträger seine Freude gehabt hätte."

Denn Walther Rode (1876 bis 1934) war seinerzeit selbst österreichischer Rechtsanwalt und Publizist, dem ab 1928 ein weiteres Arbeiten unmöglich war, nachdem eine bittere Satire gegen das Beamtentum zum Boykott seiner Anwaltskanzlei durch die empörte Beamtenschaft geführt hatte.

Im Rahmen der Preisverleihung im Literaturhaus Wien wurde in einer ausführlichen Laudatio einerseits das Unverständnis in Journalismus und Justizwesen sowie deren Verhältnis zueinander analysiert, andererseits wichtige Stationen in Florian Klenks beruflicher Laufbahn beschrieben. So räumten die Laudatoren zwar ein, dass es in Österreich sehr wohl gute Richterinnen und Richter und sorgfältige Journalisten und Journalistinnen gäbe, deren mühevolle und skrupulöse Arbeit "prägt aber nicht das Bild, sie allesamt sind, statistisch gesprochen, bloße ‚Ausreißerinnen und Ausreißer‘". In Florian Klenk sehen sie einen solchen Ausreißer, der sich schon in der Schülerzeitung Gedanken darüber machte, warum "nach pubertierender Liebeständelei im Schul-Klo das Mädchen die Schule verlassen musste, während der Bursch bleiben durfte". Seine Arbeit erklärt Kenk heute mit folgender Metapher: "Das ist wie bei einem Fischer: Man muss zur richtigen Zeit in die richtige Bucht rudern. Dann braucht man Ruhe und Konzentration und keinen Chef, der in die Hände klatscht und sagt: ‚Na, wo is’ die G’schicht?‘ Das vertreibt die Fische."