• vom 19.10.2014, 13:38 Uhr

Medien

Update: 19.10.2014, 13:50 Uhr

Krimi

"Harry, hol schon 'mal den Wagen"




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Von WZ Online, APA

  • "Derrick", deutschlands meistexportierter Fernsehpolizist, wird vierzig.

20141019HorstTappert

20141019HorstTappert© APA / dpa 20141019HorstTappert© APA / dpa

Berlin. Wohl kein deutsches Fernsehprodukt ist so erfolgreich gewesen wie diese Krimiserie, die in mehr als 100 Länder verkauft wurde: "Derrick". Deutschlands meistexportierter Fernsehpolizist, Oberinspektor Stephan Derrick (Horst Tappert), löste zusammen mit seinem Partner Harry Klein (Fritz Wepper) seine Fälle, ohne jemals befördert zu werden. Vor 40 Jahren, am 20. Oktober 1974, lief die erste Folge.

Entschleunigte Filme
In 24 Jahren strahlte das ZDF 281 Folgen aus. Zunächst lief die Serie etwa einmal im Monat am Sonntag, ab 1978 dann als Freitagskrimi um 20.15 Uhr. Den viel zitierten Satz "Harry, hol schon 'mal den Wagen" hat Derrick - der Mann mit den Tränensäcken und dem Toupet - vor der Kamera eigentlich nie gesagt. Läster-Entertainer Harald Schmidt befeuerte in den 90er Jahren die Legende und machte sich lustig über die Behäbigkeit der 60-Minuten-Filme, die oft arg langsam erzählt waren.


Wie das "Fernsehlexikon" richtig beobachtete, passierten die Morde dieser Serie, die Helmut Ringelmann (1926-2011) produzierte, meistens in Münchens High-Society: "Derrick verhört die reichen Angehörigen in deren Villen und löst die Fälle mit Bedacht und ohne Gewalt." In Nebenrollen waren immer wieder große Stars und Charakterdarsteller zu sehen, von Maria Schell oder Inge Meysel bis Ruth Leuwerik, von Götz George oder Curd Jürgens bis Christoph Waltz.

"Leichen-Limit"
Einige frühe Folgen lösten Diskussionen aus. Eine spielte im harten Drogenmilieu, in einer anderen wurde ein Kind ermordet, was zu Zuschauerprotesten führte. In einer anderen Episode starben fünf Leute auf einmal. Daraufhin wurde das "Leichen-Limit" auf zwei pro Ausgabe reduziert. Heutzutage, angesichts immer neuer Leichenrekorde etwa beim "Tatort" - vergangene Woche bei Ulrich Tukur waren es mehr als 50 Tote in 90 Minuten - scheinen solche Debatten wie aus einer anderen Zeit.

Zu philosophische Drehbücher
Kurz vor seinem Ausstieg meinte sogar Hauptdarsteller Tappert, der 2008 mit 85 Jahren starb und dessen Waffen-SS-Mitgliedschaft erst fünf Jahre nach seinem Tod bekannt wurde, es habe bei "Derrick" "viele Tiefpunkte" gegeben. "Das Hauptproblem waren die Bücher von Herbert Reinecker", sagte er damals im "Abendzeitung"-Interview. Sie seien zu philosophisch und moralisch gewesen, fast ohne Zwischenmenschliches. "Zigmal habe ich das Script in die Ecke gefeuert." Doch Drehbuchautor Reinecker (1914-2007) sei zu keiner Zusammenarbeit bereit gewesen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2014-10-19 13:39:28
Letzte Änderung am 2014-10-19 13:50:15



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