Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. 28 Jahre lang teilte sie eine Stadt, zwei Staaten sowie Ost und West. Rund 1300 Menschen hat die deutsch-deutsche Grenze das Leben gekostet, mehr als 130 starben direkt an der Berliner Mauer. Radio Ö1 widmet dem Mauerfall einen Schwerpunkt unter dem Titel "Wir sind das Volk" - eine Parole, die die Demonstranten während der Montagsdemonstrationen 1989/90 in der DDR riefen -, der in der aktuellen Programmwoche einige Highlights zu bieten hat.

So etwa in den "Hörbildern" (8. November, 9.05 Uhr): "Bau ab, und nimm mit!" Mit dieser Aufforderung luden Flugblätter im August 1989 zum Paneuropäischen Picknick an die österreichisch-ungarische Grenze. Die Gäste durften den Stacheldraht des Eisernen Vorhangs abschneiden und mitnehmen, mit Echtheitszertifikat. Ungefähr 600 DDR-Bürger nützten dieses Picknick am jetzt zerrissenen Eisernen Vorhang, um am 19. August 1989 nach Österreich zu gelangen. Es war die erste Massenflucht aus einem Land hinter dem Eisernen Vorhang. Die Bilder vom Sommer 1989 gingen um die Welt. Um die Ereignisse ranken sich Gerüchte. Wurde die Massenflucht von westlichen Geheimdiensten organisiert? Was wussten Moskau, Bonn und Ost-Berlin von den ungarischen Reformbestrebungen? Eine Dokumentation über jene Monate, die Europa von Grund auf veränderten.

Friedliche Revolutionärin

Johannes Kaup fragt in "Logos - Theologie und Leben"(8. November, 19.05 Uhr) die Bürgerrechtlerin Marianne Birthler nach der Rolle ihres Glaubens. Sie war eine der wichtigsten friedlichen Revolutionärinnen in der DDR, Katechetin in einer evangelischen Gemeinde, später Ministerin, Bundestagsabgeordnete und Parteivorsitzende. Die 66-jährige Marianne Birthler hat sich zudem von 2000 bis 2011 als Nachfolgerin von Joachim Gauck als unbeugsame Chefin der Stasi-Unterlagen-Behörde einen Namen gemacht.

Unter dem Titel "Der Mauerfall - Musik, Texte und Zeitzeugen" sendet Ö1 am 9. November ab 19.30 Uhr einen langen Radioabend, der sich am Jahrestag des Mauerfalls mit diesem Ereignis beschäftigt und versucht, einige ungewöhnliche Fragen zu beantworten: Wie klangen die damaligen West- und Ost-Berliner Radioprogramme in den Tagen des Mauerfalls? Welche Musik wurde gespielt? Was berichteten die Nachrichten? Zu Gast bei Otto Brusatti wird der damalige Musikchef des wichtigsten West-Radios, des Senders Freies Berlin, der Österreicher Wilhelm Matejka sein.

Das "Radiokolleg" (10. bis 13. November, 9.30 Uhr) widmet sich hingegen der Literatur unter dem Titel "DDR: Land der Literatur - Literatur ohne Land". Als die Berliner Mauer zu Fall gebracht wurde, bedeutete dies auch eine Zäsur für die "DDR-Literatur", die unter dieser Rubrizierung weithin anerkannt und kanonisiert war. Nun ist die DDR Geschichte, in der Literatur lebt sie auf mannigfache Weise weiter. Über Geschichten wird Geschichte verhandelt. Zu den alten Namen sind neue hinzugekommen. Mit Etikettierungen ist die Kritik nach wie vor rasch zur Hand. An Christa Wolfs Erzählung "Was bleibt" entzündete sich 1990 der "deutsch-deutsche Literaturstreit". Das "Radiokolleg" ist der Frage nachgegangen: Was ist geblieben?

"Döbeln" sendet dann am 11. November (21 Uhr) das "Hörspiel-Studio" in der Regie von Heike Tauch. Der österreichische Autor Andreas Jungwirth, der seine Karriere als Schauspieler begonnen hatte, erzählt die durchaus autobiografisch gefärbte Geschichte des - ebenfalls österreichischen - Schauspielers Georg, der im Frühjahr 1991 ans Stadttheater Döbeln engagiert wird. Das Hörspiel zeigt, wie sich die große Politik selbst in den entlegensten Winkeln der Menschen, ihrer Beziehungen und ihrer Gefühle bemächtigt.(vf)