Washington. Die Meldungen zur Medienkrise reißen nicht ab. Auflagen im Sinkflug, Anzeigen brechen ein, Redaktionen werden geschlossen. Ein Patentrezept, wie man Geld im Internet verdienen kann, ist noch immer nicht in Sicht. Da wäre es doch eine verlockende Vorstellung, wenn ein reicher Geldgeber kommt und sagt: "Schreibt, was wichtig ist! Ich zahl’s!" In Debatten und Panels wird eifrig über diesen "Non-Profit-Journalism" diskutiert.

Das wohl schillerndste Beispiel ist die Investigativ-Plattform ProPublica, die vom kalifornischen Milliardär Herb Sandler gegründet wurde. Sie produziert anspruchsvolle Reportagen und Investigativ-Storys im Netz. ProPublica hat eine Reihe wichtiger Preise eingeheimst, nicht zuletzt den bedeutenden Pulitzerpreis - als erstes Online-Medium überhaupt. Viele sehen darin ein Modell der Zukunft. Können Philanthropen den Journalismus retten?

Die Aufregung war groß, als eBay-Gründer Pierre Omidyar sein Medienunternehmen First Look Media aus der Taufe hob. Gemeinsam mit dem Starreporter und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald lancierte er im Februar das Enthüllungsportal "The Intercept". Der Mäzen stellte langfristig 250 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Verknüpfung der Bloggermentalität mit der Technikaffinität des Silicon Valley sollte stilbildend für den Journalismus der Zukunft sein. Verleger waren gestern, der Internet-Tycoon ist heute.

Spielzeug für Millionäre?


John W. Henry, der Eigentümer der Boston Red Sox und des FC Liverpool, kaufte den "Boston Globe" für 70 Millionen Dollar. Amazon-Gründer Jeff Bezos erwarb für 250 Millionen Dollar die "Washington Post". Und Investorenlegende Warren Buffett kaufte gleich eine ganze Sammlung von insgesamt 63 Lokalzeitungen. Es scheint, als würden Zeitungen das neue Spielzeug von Multimilliardären. Von den "Medicis der Medien" ist bereits die Rede.

Bei der Diskussion muss man zwischen gemeinnützigen und profitorientierten Medienunternehmen differenzieren. Auch wenn die Abgrenzung schwierig ist. Die Associated Press (AP), die mit ihren 2000 Redakteuren über 1400 Zeitungen, darunter große Blätter wie die "New York Times", beliefert, ist eine Non-Profit-Organisation. Der Verleger Robert McCormick sagte einst: "Das erste Ziel einer Zeitung ist es, Profit zu machen." Gewiss, Zeitungen sollten auf lange Sicht rentabel sein. Nur: Der Journalismus und Medien sind nicht irgendein Produkt, irgendeine Industrie. Sie sind Bindeglied moderner Gesellschaften und füllen eine grundrechtliche Aufgabe aus.