In den USA erlebt gemeinnütziger Journalismus einen Boom. Laut einem Bericht des Foundation Center wurden zwischen 2009 und 2011 1,86 Milliarden Dollar in journalistische Projekte investiert. Der Digitalprofessor Jeff Jarvis twitterte: "Jedes Mal, wenn eine reiche Person einer Non-Profit-Organisation spendet, verliert ein journalistisches Start-up seine Flügel." Der Tweet sorgte für eine rege Diskussion im Internet. Der Vorwurf ist, dass Non-Profit-Organisationen Konkurrenten aus dem Markt verdrängen. Ein Philanthrop, der keinen Penny verdienen muss, kann ganz anders agieren.

Im ersten Jahr gab ProPublica 6,4 Millionen für Gehälter seiner 47 Redakteure aus. Einige Reporter sollen gar ein fürstliches Salär von 200.000 Dollar bekommen haben, heißt es. Davon können traditionelle Medienhäuser nur träumen. Das Nieman Lab bezeichnete die 13.000 Wörter umfassende Story über ein Krankenhaus in New Orleans, die ProPublica zusammen mit dem "New York Times Magazine" produzierte und die mit 400.000 Dollar zu Buche schlug, "als bemerkenswerte, tragische Geschichte, die das teuerste Stück im Printjournalismus seit Jahren darstellt".

Auf Einkaufstour


Die neuen Start-ups werben Journalisten großer Zeitungen ab. Erst jüngst verließ der altgediente Redakteur Bill Keller die "New York Times" und heuerte bei "The Marshall Project" an, einer gemeinnützigen Journalismusorganisation. Es ist ein Exodus sondergleichen. "Wir haben den Luxus, etwas anderes zu machen, weil wir diese Art von unbegrenzter Ressourcenunterstützung haben", schwärmte Glenn Greenwald, als "The Intercept" gestartet wurde. Doch das Projekt, das von großen Hoffnungen begleitet war, durchlebt eine schwere Krise. Innerhalb kurzer Zeit kam es zu zwei prominenten Abgängen, darunter Chefredakteur John Cook. Zwischen dem Geldgeber und der Redaktion soll es ordentlich gekracht haben. Omidyar mischte sich in Management-Fragen ein, es gab Streit um die Spesen. In einem ungewöhnlich offenen Artikel rechnet die Redaktion mit dem Management ab. "Taibbi und andere Journalisten, die zu First Look kamen, glaubten, sie würden einer frei drehenden, autonomen und unstrukturierten Institution beitreten. Was sie jedoch vorfanden, war ein verwirrende Anordnung von Regeln, Strukturen und Systemen, die von Omidyar aufoktroyiert wurden." Es stellt sich generell die Frage, wie es um die journalistische Unabhängigkeit solcher Non-Profit-Organisationen bestellt ist. Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.

Die "Fiscal Times", die vom milliardenschweren Investmentbanker Peter George Peterson finanziert wird und auch Beiträge für die "Washington Post" liefert, geriet in die Kritik, als ein Artikel mit der Überschrift "Support Grows for Tackling Nation’s Debt" erschien, der nahezu unreflektiert die Position des Gönners übernahm. Peterson gehörte zum Zeitpunkt der Publikation einer Kommission zum Schuldenabbau im Senat an. Der "Post" war der Vorfall hochgradig peinlich.

Gleichwohl: Mit der Übernahme durch Jeff Bezos haben sich auch die Vorzeichen bei der "Washington Post" geändert. Bezos beteuerte zwar, er werde sich nichts ins Tagesgeschäft einmischen. Seltsam nur, dass der Streit zwischen Amazon und der Verlagsgruppe Hachette um Rabatte bei E-Books kaum im Blatt war. Stattdessen, so listet das Verlagshaus Melville House auf seiner Internetseite auf, wurde über Gemüsesorten, Witze und kostenlose Pornos berichtet.

Medienexperte Friedmann glaubt nicht, dass Philanthropen den Journalismus retten. "Ob er gerettet werden kann, hängt in erster Linie vom politischen der Bürger ab." Man mag noch so viele Ressourcen haben. Die wichtigste Währung ist Glaubwürdigkeit. Ist die verspielt, hilft alles Geld nichts.