• vom 09.12.2014, 16:23 Uhr

Medien

Update: 09.12.2014, 17:34 Uhr

Kurzfilmwettbewerb

Kampf um jeden Cent




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Von Eva Zelechowski

  • Der Verein "all inclusive" bricht mit seinem Kurzfilmwettbewerb gesellschaftliche Problemfelder auf.

Baris Alakus und Elisabeth Golzar wurden mit dem Menschenrechtsfilmpreis geehrt. - © all inclusive

Baris Alakus und Elisabeth Golzar wurden mit dem Menschenrechtsfilmpreis geehrt. © all inclusive

Wien. Zwei Pärchen machen es sich auf ihrer Couch gemütlich. Sie kuscheln und nippen am Sektglas. Der Film in der linken Bildschirmhälfte zeigt ein homosexuelles Paar, in der rechten Hälfte ein heterosexuelles. Alle Bewegungen laufen gleich ab. 60 Sekunden Zeit, um den Fehler zu finden. Die Auflösung: Das Porzellan-Pferd auf dem Couchtisch bäumt sich in unterschiedliche Richtungen auf. Der Verein "all inclusive" erhielt mit seinem Spot "Finde den Fehler" den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis 2014 in der Kategorie "Amateure". Entstanden als Promotionsfilm 2012 für den heimischen Kurzfilmwettbewerb "zeitim:puls", demonstriere er, "wie sehr wir in Schablonen über Hetero- und Homosexuelle denken", begründet die Jury. "Doppelt gut gelungen ist der Film, weil er in der Kürze im Bildungskontext weiter anknüpft", sagt Gesamtkoordinator Marko Junghänel zur "Wiener Zeitung".


Seit 2008 veranstaltet der Verein "all inclusive" jährlich einen Kurzfilmwettbewerb für junge Menschen zwischen 6 und 29 Jahren, die sich mit einem Spot mit gesellschaftspolitischer Diversität und Toleranz auseinandersetzen. 2015 wird der als Studentenprojekt gestartete Bewerb erstmals europaweit ausgetragen. "Ich wollte zum Gedenken an das ‚Anschlussjahr‘ 1938 in einer Bestandsaufnahme herausfinden, wie Rechtsextremismus heute in der Gesellschaft noch verankert ist", erinnert sich "Projektvater" Baris Alakus im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" an die Impulse. Die Resonanz war gewaltig.

Information

Der Jugend-Kurzfilmwettbewerb 2014/2015 "Zeitim:puls  Europe" ist bereits im Gange. Anmelde- und Einsendeschluss ist der 30. April 2015.

"Es ist ein sehr niederschwelliges Projekt. Kinder und Jugendliche können mit jedem Handy oder einer einfachen Kamera-Ausrüstung einen Themenkomplex kreativ in einem Video abhandeln", sagt Alakus. Idealerweise beinhalte der maximal 90-sekündige Spot auch einen Lösungsansatz, wie man des Problems Herr werden kann. Seit 2011 ist der Wettbewerb mit Betreuungsprogrammen an heimischen Schulen und Förderungen breiter angelegt.

Zu einem zentralen Strang wurde die Zusammenarbeit auf Bildungsebene: Der Hauptbewerb richtet sich an Schulen in ganz Österreich und wird in Kooperation mit den Landesschulräten organisiert. Die Filme entstehen quasi im Alleingang mit engagierten Lehrern. In Wien arbeiten Alakus und Golzar mit den Bezirksvorstehern zusammen. Für die Workshops "Together" gehen sie selbst in Schulklassen und definieren gemeinsam mit den Schülern einen Problemfall aus ihrem Umfeld aus. "Bis zu sieben Bezirke können wir so - es hängt ganz von der Förderbereitschaft ab - für uns gewinnen. Diese Toleranzarbeit ist ein wichtiger bildungspolitischer Aspekt unseres Projekts und findet hauptsächlich an sogenannten ‚Brennpunktschulen‘ statt. Die Filme bergen für mich als Historiker einen regelrechten Schatz und sind eine gute Quelle dazu, welche Probleme für Jugendliche in welchem Jahr Vorrang hatten", betont Alakus die Nachhaltigkeit der Initiative, die auch in zehn Jahren für eine wissenschaftliche Analyse über gesellschaftspolitische Tendenzen aufschlussreich sein kann.

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Dokument erstellt am 2014-12-09 16:26:04
Letzte Änderung am 2014-12-09 17:34:51


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