Das finale Tröpfchen Häme, das über das zuletzt vielgeschmähte "Wetten, dass . . ?" ausgebeutelt wurde, kam vom US-Komiker Will Arnett. Der Schauspieler von hierzulande bestenfalls mittlerem Bekanntheitsgrad berichtete in einer Late-Show seine bizarren Erlebnisse in einer "German Talkshow". Nachgerade rührend machte da ein Mann, der in Hollywood-Großproduktionen mitgewirkt hat, schiere Bombastik also durchaus gewöhnt sein müsste, seiner Verblüffung darüber Luft, welche unglaublichen Dimensionen diese deutsche Show habe. Unter anderem stammelte er beeindruckt: "Da gibt es eine Couch, die ist so groß wie dieses ganze Studio hier. Ich scherze nicht. Und: Sie bewegt sich!"

Tatsächlich hat Will Arnett damit den Nukleus von "Wetten, dass . . ?" ganz gut erfasst. Denn "Wetten, dass . . ?", das war eine Show, bei der man Leuten dabei zusah, wie sie auf einer Couch saßen. Während man selbst auf der Couch saß. Eine Art aufgemöbeltes Spiegelbild - schließlich machten die Menschen auf dem Bildschirm nicht viel anderes als jene davor: Sie redeten dazwischen, sie aßen eine Jause und zum Gutteil langweilten sie sich formidabel - nur eben auf einer besser bezahlten Basis.

Nun wird am Samstag die letzte Ausgabe dieser Show ausgestrahlt. Man muss sagen: Es ging eh schon lange bergab. Aber war es wirklich der schwere, live übertragene Unfall, der die Wende eingeleitet hat? War es wirklich der darauffolgende Abgang von Thomas Gottschalk, der die Zuseher verprellt hat? War es wirklich die ungelenke Moderation seines Nachfolgers Markus Lanz, der den letzten Rest Würde aus der Sendung wegmoderierte?

Mulden und Odeure


Nun. Auch. Aber eine gewagtere These muss so kurz vor der Bestattung auch erlaubt sein. Der Anfang vom Ende, er kam, als vor etwa zwei Jahren das alte "Wetten, dass . . ?"-Sofa ausgetauscht worden ist. Als unaufgeregtes Beige von hysterischem Orange abgelöst wurde. Als familienfreundlich runde Ecken von nervös über die Bühne gejagter Technik verdrängt wurden. Als jene Couch, auf der man noch das Parfum von Sophia Loren oder den Schweiß von Robbie Williams riechen konnte, eingemottet wurde. Als jene Couch ausgedient hat, auf der man noch die Mulde sehen konnte von damals, als sich die korpulente Beth Ditto auf den verdutzten Hansi Hinterseer gesetzt hatte. Als jene Couch, auf der auch Meter weit entfernt keiner vor einem Kniegrapscher von Thomas Gottschalk gefeit war, zum letzten Mal in Plastikfolie eingewickelt wurde.