Die Couch an sich ist ein eminent wichtiger Faktor der Television. Und zwar nicht nur, weil Konsumenten dieses Mediums gern als Couch-Potatos bezeichnet werden. Das Sofa als Requisit zieht sich durch die TV-Geschichte wie der Bagger durch die "Wetten, dass . . ?"-Außenwetten-Historie.

Exzessive Belegung


Die berühmtesten österreichischen Fernsehcouches standen zweifelsohne im "Club 2". Gediegenes Chesterfield-Design in absichtlich elitärer Zigarrenclub-Optik. Geht heute nur mehr als ironisches Zitat. Als solches finden sich ähnliche Sofas vor allem in Hipster-Cafés der großstädtischen Gentrifizierungszone. Als der ORF vor einigen Jahren eine Neuauflage des "Club 2" wagte, war ihr keine ruhmreiche Zukunft beschieden. Schuld: fraglos die Möblierung. Statt der knuffigen Ledermontur mit den ranzigen Knopfgruben, in denen noch für die exzentrischsten Gedanken Platz war, stand da nun jene kühle Glattheit, mit der Ikea den Globus gnadenlos "klippanisiert". Da wäre ja nicht einmal Nina Hagen in Stimmung gekommen.

Aber vor allem im US-TV hat die Ottomane ihren fixen Platz. Es gibt sogar ein Seriengenre, das es wohl ohne exzessive Sofabelegung gar nicht gäbe. Das ist die Sitcom. Das Gros der Pointen in "Seinfeld", "Golden Girls", "Die Nanny", "Alf", "Big Bang Theory" und wie sie alle heißen wird zwischen Zierkissen und Patchworkdecken geschleudert. Die Protagonisten dieser Serien verbringen den Großteil ihrer Zeit auf dem Kanapee. Manchen sieht man das auch an, wie den stattlichen Hauptdarstellern aus "Roseanne". Die kugeln aber nicht am Polstermöbel herum, weil sie so faul und frei von jeglicher Angst vor dem Wundliegen sind, sondern aus dramaturgischen Gründen.

Karma am Kanapee


Die Sitcom entstammt nämlich einer Tradition, in der vor Publikum aufgezeichnet wird. Anders als bei Hochglanzserien, die wie Filme ohne Zuseher hauptsächlich in einem Studio gedreht werden, entstehen solche Produktionen auf Guckkastenbühnen. Dementsprechend gibt es ein sparsames Bühnenbild, und sparsamer als eine Couch und ein Tischerl davor geht fast nicht. Diese Sofas eignen sich auch zur Kennzeichnung von Klassenunterschieden. So war die Couch von Al Bundy, auf der er Jahre seines Lebens mit Hand in der Hose in "Eine schrecklich nette Familie" verbracht hat, deutlich weniger adrett als jene der Arztfamilie Huxtable in der "Cosby Show".

Die berühmteste Couch der Fernsehlandschaft ist freilich jene der "Simpsons", die fast in jedem Vorspann mal mehr, mal weniger eine groteske Hauptrolle spielen darf. Die Gelben lassen sich aber meist ohnehin nicht davon abbringen, trotzdem Platz zu nehmen (vor dem Fernseher übrigens), selbst wenn gerade Einbrecher ihre Bank wegtragen wollen.

Während also in den USA der Diwan nach wie vor im Mittelpunkt stehen darf, wird er bei "Wetten, dass . . ?" nun für immer verräumt. Auf eBay wird er wohl kaum ein Renner werden. Ist das ein Symbol dafür, dass sie endgültig vorbei ist, die Ära, in der Fernsehen ein gemeinsames Erlebnis war? Markiert das Ende von "Wetten, dass . . ?" den finalen Übergang in die "Auf Anfrage"-Periode, in der es keine Ausstrahlungstermine mehr gibt? In der sich jeder alles dann anschaut, wann er will, aber in der Kommunikation darüber zusehends vereinsamt?

Mag ja sein. Vielleicht wäre das aber auch alles abwendbar gewesen, hätte man sich ein bisschen mehr mit Feng Shui ausgekannt bei der Neuausstattung der Show. Oder einfach nur mit Karma. Weil wer denkt schon noch an sie: die zahllosen Gummibärchen in den Ritzen des alten Sofas, die nun einen gar unglamourösen Ruhestand am Sperrmüll erleben müssen.