Doch kein Liebespaar: Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). - © ORF/Domenigg
Doch kein Liebespaar: Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). - © ORF/Domenigg

War es Selbstmord oder sollte es nur danach aussehen? Es ist zugegebenermaßen eine nicht besonders originelle Ausgangslage, die das österreichische "Tatort"-Team Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zu Beginn ihres neuen Falles erwartet. Suizid oder Verbrechen - das gab es schon öfter. Brisant wird der Fall erst, als die Identität des Opfers geklärt ist: Es handelt sich um einen iranischen Diplomaten und Atomphysiker, der sich aus dem Fenster seines Hotelzimmers gestürzt hat. Oder eben gestoßen wurde. Die Frage, ob es sich um einen Freitod oder doch um einen kaltblütigen Mord handelt, steht aber nicht lange im Raum.

Natürlich war es Mord. Ein erstes Indiz sind die teuren Karten für die Oper, die das Opfer noch kurz vor seinem Ableben gekauft hatte. Die Ermittlungen beginnen schleppend. Das liegt jedoch nicht an Eisner und Fellner. Der Kriminalfall wurde mit der höchsten Sicherheitsstufe belegt und die persönlichen Gegenstände des toten Diplomaten wurden beschlagnahmt. Die iranische Botschaft und das österreichische Außenministerium wollen die Ermittlungen so diskret wie nur möglich halten. Ärgerlich. Denn wie und wo soll so überhaupt ermittelt werden? Das Überwachungsvideo aus der Hotellobby gibt schließlich erste Anhaltspunkte. Es zeigt den Lobbyisten Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé, der offenbar in nicht ganz saubere Geschäfte mit dem Toten verwickelt war: Via Zugtransport sollten Bauteile und Materialien für Kernreaktoren in den Iran geschickt werden. Und als ob das nicht bereits genug wäre, hat plötzlich auch noch der israelische Mossad seine Finger im Spiel.

Weniger Familie, mehr Plot


Während die letzten "Tatort"-Folgen aus Österreich sehr viel persönliche Verwicklungen und familiäre Probleme der beiden Ermittler preisgaben, konzentriert man sich im neuen "Tatort: Deckname Kidon"(So., 20.15 Uhr, ORF2/
ARD) wieder mehr auf den Fall selbst. Die Handlung benötigt viel Raum, ist alleine durch die österreichisch-iranische Beziehung nicht einfach zu erklären. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" bestätigt auch Harald Krassnitzer diese Entwicklung: "Wir schauen, dass wir uns in Zukunft wieder mehr auf die Geschichten und Fälle konzentrieren." Wenn es bei einer guten Geschichte vielleicht den einen oder anderen Berührungspunkt gibt, dann sei das zwar völlig in Ordnung, aber "es gab in der letzten Zeit viele persönliche Verwicklungen und es soll nicht der Eindruck entstehen, dass uns die Liebschaften und Verwandten ausgehen", so der Schauspieler.

Ähnlich sieht das auch Adele Neuhauser: "Wichtig ist, dass der Fall immer im Vordergrund steht." Wenn es nach ihr geht, soll der Fokus auf die Beziehung zwischen Eisner und Fellner allerdings weiterhin bestehen: "In den letzten Folgen trat die persönliche Geschichte in den Hintergrund. Obwohl ich deren Konfrontationen und Wickel sehr mag. Es gibt noch so viel über die beiden zu erzählen." In einem Liebesverhältnis, wie es bei den Kollegen in Hamburg der Fall war, soll die Beziehung jedoch nicht enden "Gott sei Dank gibt es keine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Es ist viel spannender, wenn man latent die Möglichkeit spürt, dass es über eine Schwelle gehen könnte" ist sich Neuhauser sicher.

Moritz Eisners Tochter sieht das in der neuen Folge anders. Zumindest was die fehlende Frau im Leben ihres Vaters angeht. "Papa, du brauchst eine Freundin!", beschließt sie.

Harald Krassnitzer ist anderer Meinung, was das Liebesleben seines Charakters angeht: "Eine neue Beziehung würde höchstwahrscheinlich in einer Katastrophe enden", ist er sich sicher. Auch für ihn steht eher die Beziehung zu seiner reschen Kollegin im Vordergrund und er betont erneut: "Das Team Eisner/Fellner ist so ein großer Glücksfall gewesen. Die beiden sind mittlerweile fast wie ein altes Ehepaar. Es gibt noch so viele Spielwiesen, die wir bedienen können."

Diese werden angesichts des komplexen neuen Falles aber noch nicht bespielt. Der "Tatort: Deckname Kidon" ist eine solide Folge, mit gelungenen Dialogen und einer im Großen und Ganzen interessanten und durch das Auftreten eines korrupten Lobbyisten auch durchaus aktuellen Geschichte.