Wien. An der U-Bahn-Haltestelle South Station in Boston hängt ein Schild mit der Aufschrift "Pulse of South Station", versehen mit zwei WiFi-Symbolen. In der Eile können die Passanten das Schild leicht übersehen. In einem einzigartigen Projekt hatte die Zeitung "Boston Globe" 2005 in der ganzen Stadt sogenannte "WiFi Pulse Points" eingerichtet, an denen man mit WLAN Informationen über die Stadt einholen konnte.

Die Idee: Content offline liefern, in einem hyperlokalen Netzwerk. Der Nutzer erhielt Updates über den Hochgeschwindigkeitszug Acela Express nach New York, eine Hintergrundgeschichte über einen ugandischen Immigranten, der an der Station Schuhe putzte, sowie eine Kulturgeschichte der Skulpturen, die die Station dekorierten. Das Projekt wurde nach einem Jahr zwar wieder eingestellt. Doch die Idee lebt weiter. Kann man Smartphones und Tablets ganz ohne Internet mit Informationen bespielen?

Heute gibt es an jeder Ecke WiFi-Hotspots: an Flughäfen, Bahnhöfen und in Cafés. Doch nicht immer funktioniert das Internet zuverlässig. Mal geht das Kennwort nicht, mal versagt die Verbindung. Hinzu kommt: Im Internet kann jede Spur der Nutzer nachverfolgt werden.

Occupy machte es vor

Während der Occupy-Proteste installierte der Aktivist Dan Phiffer einen mobilen Router, über den die Demonstranten kommunizieren konnten. Das WLAN war nur innerhalb der Signalreichweite empfangbar. Jeder Teilnehmer mit einem webfähigen Smartphone oder Laptop konnte sich in das Netzwerk "Occupy.Here" einwählen. Auf einem verschlankten Interface konnten die Nutzer Nachrichten an die Community schreiben - ohne dass Leute von außerhalb mitlesen konnten. Occupy.Here war als dezentrale Kommunikationsplattform konzipiert.

Einen Großteil ihres Reizes beziehen hyperlokale Netzwerke aus ihrer Fähigkeit, staatliche Zensur zu untergraben. Als im Oktober in Hongkong prodemokratische Proteste ausbrachen, befürchteten viele Demonstranten, dass die Regierung das Internet abschalten könnte. Obwohl sich die Befürchtung nicht bewahrheiten sollte, wichen viele Aktivisten auf ein neues Kommunikationsmittel aus: FireChat. Die App funktioniert ähnlich wie Twitter. Nachrichten werden in unterschiedlich großen Chatrooms gepostet und sind öffentlich einsehbar. Das Besondere an FireChat ist der Übertragungsweg: Smartphones und Laptops können sich gegenseitig ansteuern, ohne mit dem Internet verbunden sein zu müssen.