TV-Staatsanwalt und Richter in einem: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schlagen vereint zu. - © RTL
TV-Staatsanwalt und Richter in einem: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schlagen vereint zu. - © RTL

Soweit läuft alles nach Plan. Die Kandidaten sind am Freitag in das Camp eingezogen, die Medienberichterstattung hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und es wurde bereits mit den Lästereien begonnen. Auch das Wetter spielt in "Down Under" mit und verspricht viel Regen in den kommenden Tagen. In der verkehrten Welt von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" (täglich, 22.15 Uhr, RTL) sind das beste Voraussetzungen für Erfolg. Vor allem was das die Wetterprognosen betrifft: Ist das Wetter schlecht, ist auch die Stimmung der Kandidaten am Tiefpunkt. Schlechte Stimmung ist wiederum ein Garant für Streitereien und die sind bekanntlich gut für die Quote. Denn wenn uns das Dschungelcamp in den vergangenen Jahren eines gelehrt hat, dann, dass die Zuschauer die sogenannten "Stars" leiden und streiten sehen wollen. Und das so variationsreich und häufig wie nur möglich.

Überhaupt dürfte die insgesamt neunte Staffel eine besondere werden. So haben sich der Tradition, vorab im "Playboy" alles zu zeigen, diesmal nicht nur eine, sondern gleich zwei Kandidatinnen angeschlossen. Es handelt sich um die ehemalige "Bachelor"-Kandidatin Angelina Heger und Ex-"Germany’s Next Topmodel"-Kandidatin Sara Kulka.

Die Devise "Sex Sells" gilt eben auch im australischen Dschungel. Das erkannte auch Kandidat Aurelio Savina, ein ehemaliger "Bachelorette"-Kandidat. Er schließt schon vor der Abreise aus Deutschland Sex vor laufenden Kameras im Camp nicht aus: "Wenn mich eine Frau reizt, würde ich das tun", so die Ansage des 36-jährigen Models, der für die Medien bereits vorab erfolgreich die Rolle des Machos mimt. Nach acht Staffeln wissen die Kandidaten über das Spiel mit den Medien eben bestens Bescheid.

Wenig überraschend bestehen die Teilnehmer auch in diesem Jahr wieder aus vielen "Ex" und "Ehemaligen". In den Dschungel wollen sie alle selbstverständlich um "ihre eigenen Grenzen zu testen" und wegen der "Lust am Abenteuer". In dieses Abenteuer stürzen sich neben den bereits genannten Promis auch die ehemalige "DSDS"-Kandidatin Tanja Tischewitsch, Sänger Benjamin Boyce, ehemaliges Mitglied der Boyband "Caught in the Act", der "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten"-Darsteller Jörn Schlönvoigt, Schauspielerin Maren Gilzer, Patricia Blanco, hauptberuflich Tochter von Roberto Blanco, "Lindenstraße"-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum, Ex-"Germany’s Next Topmodel"-Juror Rolfe Scheider und Moderator Walter Freiwald.

Es ist eine illustre Truppe, die sich unter ständiger Beobachtung den Läster-Attacken der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich aussetzen wird. Es darf darauf vertraut werden, dass das Moderatoren-Duo auch in diesem Jahr wieder gezielt die Schwachpunkte der Kandidaten eruieren und darauf aufbauend mit einer humorvollen und teilweise gehässigen Moderation durch die Sendung führen wird. Man kann "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" ja vieles vorwerfen. Dass die Show allerdings einen anderen Zweck erfüllen soll, als Stars vorzuführen, zählt nicht dazu.

Gelästert wird hier öffentlich und ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist auch den Kandidaten bewusst. Sie erhalten eine Gage und TV-Präsenz, müssen im Gegenzug jedoch akzeptieren, dass eben jene TV-Präsenz vor allem dazu dient, sie bloß zu stellen. Wie sie mit der Situation umgehen, ist entscheidend. Es gelten nur wenige Regeln, die befolgt werden müssen, um nicht unterzugehen: präsent sein, Gefühle zeigen, ein großes Geständnis am Lagerfeuer ablegen, bei den Prüfungen alles geben, authentisch wirken. Dann stehen auch die Chancen auf die Dschungel-Krone recht gut.

Dass man allerdings nicht zwangsläufig gewinnen muss, um einen etwaigen anschließenden Karriereschub bestmöglich zu nutzen, zeigte zum Beispiel im vergangenen Jahr Kandidatin Larissa Marolt aus Österreich. Das Camp verließ sie als Zweite, gemessen an der Aufmerksamkeit, die sie ereilte, ist sie allerdings bis heute die klare Gewinnerin.

Für Fans des fragwürdigen Formats wird es aller Voraussicht nach eine unterhaltsame Staffel. Und alle anderen haben wieder einen Grund, den Untergang der deutschen Fernsehkultur in aller Ausführlichkeit zu betrauern.