Das ORF-Radio Ö1 wiederholt am Montag, dem 2. Februar, einen Beitrag der Sendereihe "Tonspuren", der dieser Tage in Wien im Rahmen des 17. Radiopreises der Erwachsenenbildung ausgezeichnet wurde.

"Zwischen Kreuz und Galgen. Der Publizist Kurt Neumann, der Februar 1934 und sein Roman ,Gefangen zwischen zwei Kriegen‘" lautet der Titel des Features von Helene Belndorfer und Alfred Koch. Die Autoren erhielten in der Radiopreis-Sparte "Bildung/Wissenschaft" den Eduard-Ploier-Preis 2014, der nach dem 1998 verstorbenen gleichnamigen Erwachsenenbildner benannt ist. Das Radio-Feature ist am Montag, dem 2. Februar, um 21 Uhr auf Radio Ö1 in den "Tonspuren" zu hören; ein weiterer Ö1-Sendetermin ist Donnerstag, der 5. Februar, 16 Uhr ("Da capo: Tonspuren").

Ferner wurden weitere ORF-Sendungen ausgezeichnet sowie Beiträge von Radio Orange, dem Freien Radio Salzkammergut und der Radiofabrik - Freier Rundfunk Salzburg.

Einblick in eine brisante Zeit

Das prämierte "Tonspuren"-Feature porträtiert nicht nur Autor Kurt Neumann (1902 bis 1984), sondern gibt auch Einblicke in eine brisante Zeit. Neumann war bis zum 12. Februar 1934 Redakteur des in Graz erschienenen sozialdemokratischen Tagblatts "Arbeiterwille", ehe er nach dreimonatiger Inhaftierung über Prag nach Paris flüchten konnte. Dort begann er, einen Roman zu schreiben, der Einblick gibt in die österreichische Gesellschaft ab der Jahrhundertwende und die Zwischenkriegszeit facettenreich schildert. Ferner zeichnet Neumann den Weg in die Katastrophe von 1938 anhand exemplarischer Episoden nach und reflektiert sie aus sozialdemokratischer Sicht.

Mitte der 30er Jahre kehrte Neumann, wie der Protagonist seines Romans, nach Österreich zurück, wo er unter anderen mit Otto Basil an der Wiener Kulturzeitschrift "Plan" mitwirkte sowie mit Alexander Sacher-Masoch und anderen die Zeitschrift "Neue Österreichische Blätter" herausgab, die allerdings erstmals am 12. März 1938 erschien und somit auch zum letzten Mal. Diese Zeitschrift "war eine Sensation, in dem Sinn, dass alle Gruppen Österreichs darin vertreten waren", sagte Kurt Neumann in einem Interview im Jahr 1978. Das Blatt war der Versuch, die Kluft zwischen den politischen Lagern zu überbrücken und eine Art "Volksfront" gegen den Nationalsozialismus zu errichten.

Die "Hitler Gang" und Hollywood

Nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 musste Neumann erneut flüchten, wobei er über Frankreich schließlich in die USA gelangte, wo er fortan in Los Angeles lebte. Dort setzte er seine journalistische Arbeit unter dem Pseudonym Walter Traun fort. 1943 assistierte er dem Autorenpaar Hackett-Goodrich bei der Drehbuchvorlage für den von Paramount produzierten Anti-Nazi-Film "The Hitler Gang", der den Aufstieg des "Führers" thematisierte. Unter seinem bürgerlichen Namen gelang Neumann danach in Hollywood bis 1946 eine bescheidene Karriere als Nebendarsteller. Später war er im Kulturmanagement tätig.