• vom 25.02.2015, 16:40 Uhr

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Von Häme und Spott besiegt




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Von Andreas Lorenz-Meyer

  • Google hat seine gefloppte Datenbrille vom Markt genommen - haben die ungeliebten Gadgets eine Zukunft?

So cool sah sich Google selbst - in Werbefotos für Google Glass. Doch die Botschaft drang nicht bis zum User durch. - © Google/Corbis

So cool sah sich Google selbst - in Werbefotos für Google Glass. Doch die Botschaft drang nicht bis zum User durch. © Google/Corbis

Wien. Was macht eine Firma, wenn die Leute, die ihr Produkt in der Öffentlichkeit zur Schau tragen, plötzlich mit abfälligen Ausdrücken bedacht, gar beschimpft werden? Sie wird sich fragen, was sie falsch gemacht hat. Was mit dem Produkt nicht stimmt. Und es gegebenenfalls aus dem Verkehr ziehen.

Genau das hat Google gemacht. Der Konzern wollte mit seiner Brille den großen Coup landen, genauer mit einer Datenbrille, die sich per Sprachbefehl bedienen lässt. Google Glass, so der Name, kann digitale Informationen ins Sichtfeld des Trägers hineinprojizieren. Hört sich spannend an, ein neues Spielzeug für Technikverliebte, ein weiterer Schritt ins digitale Zeitalter. Doch kaum waren die Modelle in überschaubarer Zahl im Umlauf, handelte sich der Träger der Brille einen wenig schmeichelhaften Spitznamen ein: Glasshole. Klingt wie Asshole - und ist auch so gemeint.


Der Grund dafür: Google Glass wird verdächtigt, jegliche Privatsphäre zu beseitigen. Denn die Brille ist mit einer Kamera versehen. Wer sie aufhat, ist dadurch ein potenzieller Heimlichfilmer. Er kann jeden, in dessen Richtung er schaut, unbemerkt aufnehmen. Da sitzt einer also ganz harmlos in der U-Bahn, murmelt leise "Aufnahme" in Richtung des Gestells - und schon wird man gefilmt. Die Brille bleibt dabei stets da, wo sie die ganze Zeit ist: auf der Nase. Das Smartphone hingegen muss erst herausgeholt und gehalten werden. Da merken die Leute, wenn einer filmt.

Da war das Gefühl: Vor dieser Brille ist keiner sicher. Etwas Lästiges hing Google Glass an, bevor es überhaupt in den regulären Verkauf gehen konnte. Cafébesitzer hängten, sicher nicht ohne an Publicity zu denken, Schilder an den Eingang, die Trägern der Brille den Zutritt verwehrten. Selbst ein Konzern wie Google kann das nicht verhindern.

Bemerkenswert, dass sich die so plötzlich auftretende Datenschutzempfindlichkeit gegen ein Google-Produkt richtet. Die Leute nutzen dessen Angebote sonst auch, ohne sich weiter darum zu kümmern, was der Konzern mit den Daten anfängt, die sie dabei preisgeben. Wie bekannt ist, macht Google viel Geld damit. Darüber regt sich kaum einer auf. Über Google Glass schon.

Image-Desaster "Glasshole"
Nicht nur das Glasshole-Image hat Google zum Rückzug bewegt. Es gab auch technische Probleme, etwa mit dem Akku. Der Verkauf wurde jedenfalls eingestellt. Das Projekt ist damit aber - offiziell - nicht am Ende. Der Konzern plant schont eine neue Brille. Dafür gibt es eine eigene Abteilung, die im zweiten Anlauf ein massentaugliches Produkt erschaffen soll.

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Schlagwörter

Medien, Google, Digital

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