David Bowie bei einem Sonderkonzert im Pariser "Olympia" am 1. Juli 2002. - © arte
David Bowie bei einem Sonderkonzert im Pariser "Olympia" am 1. Juli 2002. - © arte

Rockstar wollte er eigentlich nie werden. 40 Jahre und 25 Platten später zählt er zu den Mitbegründern der modernen Popmusik und prägte die musikalische Entwicklung der 60er, 70er, 80er und 90er Jahre wie kaum ein anderer.

In unserer Gesellschaft wird mit dem Wort Legende und dessen Bedeutung oftmals sehr leichtfertig umgegangen. David Bowie verdient die Bezeichnung zweifelsohne. Seine Musik, seine Kunst, sein Talent, sich immer wieder neu zu erfinden, machen ihn bereits zu Lebzeiten legendär. Das Londoner Victoria & Albert Museum widmete dem heute 68-Jährigen vor einiger Zeit sogar eine eigene Ausstellung: "David Bowie is..." gastiert derzeit in Paris und zeigt nicht nur sein Leben, sondern bietet ebenfalls eine Zeitreise durch 50 Jahre Musikgeschichte.

Arte ehrt den Ausnahmekünstler dieses Wochenende mit zwei Dokumentationen. "Dr. Bowie & Mr. Jones" (Sa., 22 Uhr, arte) beschreibt den kometenhaften Aufstieg des Sängers, seine Verwandlung vom Londoner Arbeitersohn David Robert Jones zum Superstar David Bowie.

Beleuchtet werden dabei wichtige Stationen in seiner Karriere, beginnend mit seinem kommerziellen Durchbruch, der ihm 1969 mit dem Album "Space Oddity" gelang. Weitere Eckpfeiler bilden seine amerikanische Schaffensperiode, die Kunstfigur "Ziggy Stardust" sowie die berühmten Berliner Jahre, in denen er eng mit Iggy Pop und Brian Eno zusammenarbeitete.

Ebenfalls zur Sprache kommen seine Verwandlungskunst und seine zahlreichen Bühnenpersönlichkeiten, mit denen er sich immer wieder neu in Szene setzte und Trends heraufbeschwor. Archivaufnahmen wechseln sich mit Interviews ab und erzählen von den Höhen und Tiefen, die der Künstler in seinem bisherigen Leben erfuhr. Zu den Tiefen zählen dabei auch die Selbstmorde seiner Tanten und seines Halbbruders Terry, die ihn nachhaltig prägten: "In meiner Familie war Selbstmord durchaus üblich. Meine Todessprünge sind eher metaphysischer Art: Ich springe einfach ins Leere, ohne mich vorher zu vergewissern." Drogen, seine Malerei sowie seine Bisexualität, zu der sich Bowie offen bekennt, sind ebenfalls Inhalt der sehr persönlichen Dokumentation.

Anschließend geht es in "David Bowie, der Weg zur Legende" (Sa., 23 Uhr, arte) weniger um Persönliches, sondern fast ausschließlich um die einzigartige Karriere des Sängers. Bowie sagte einmal über sein Schaffen: "Im Endeffekt agiert man als Künstler immer sehr egoistisch. Ich meine, in Wahrheit schreibe und nehme ich nur Sachen auf, die mich selbst interessieren. Bei den Bühnenshows ist es dasselbe." Gerade diesen angeblichen Egoismus lieben seine Fans an ihm. Während seiner Karriere blieb er stets am Puls der Zeit, zeigte neue Perspektiven auf und versuchte den Menschen zu vermitteln, wie facettenreich Musik sein kann.

Für die Doku haben sich die Filmemacher die fünf wichtigsten Momente in der Jahrzehnte andauernden Erfolgsgeschichte herausgesucht und lassen diese durch Archivaufnahmen und Interviews mit engen Wegbegleitern (unter anderem Brian Eno und Tony Visconti) noch einmal lebendig werden. Dazu zählen selbstverständlich die Veröffentlichungen der erfolgreichen Alben "Young Americans" (1975), "Low" und "Heroes" (beide 1977), "Scary Monsters" (1980) und "Let’s Dance" (1983). Ebenfalls nicht fehlen darf "Ziggy Stardust", der exzentrische Außerirdische, in dessen Rolle Bowie immer wieder schlüpfte. Musikalisch galt er als Mitbegründer des extravaganten Glam Rocks, verhalf während seiner Zeit in Deutschland den Musikrichtungen New Wave und Elektro zu rascher Bekanntheit und erreichte den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere in den 1980er Jahren mit den Alben "Scary Monsters" und "Let’s Dance".

Nur sehr wenigen Künstlern gelingt es, durch ihre Lieder derartige Emotionen in den Menschen hervorzurufen, wie es Bowie vermag. Wie zum Beispiel in einem seiner bekanntesten Songs "Heroes", in dem er davon singt, wie es wohl wäre, für einen Tag lang ein Held zu sein.

Mit seinem letzten Album "The Next Day" aus dem Jahr 2013 zieht Bowie nun in der Dokumentation eine eigene Bilanz und sieht sich als gereifter Künstler, der seine innere Ruhe gefunden hat. Vielleicht liegt diese innere Ruhe auch daran, dass er bereits zu Lebzeiten durch seine Musik unsterblich geworden ist.