Der ORF nimmt nicht am Digitalradio-Testbetrieb in Wien teil. Dies erklärte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einem Brief an Gernot Fischer, Geschäftsführer des Verein Digitalradio Österreich. Der ORF verzichtet demnach "aus rechtlichen Gründen" auf den ursprünglich für April angesetzten Testbetrieb. Zuvor hatte bereits der Privatsender Kronehit seine Teilnahme an dem DAB+-Projekt abgesagt. Ziel eines Testbetriebes sei die Erprobung "programmlicher Entwicklungen", verwies ORF-Chef Wrabetz auf das Privatradio-Gesetz. "Daher kommt für den ORF nur die Teilnahme mit einem eigenen Programm in Frage", so Wrabetz. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte für den Testbetrieb im Großraum Wien ein neues, etwas jüngeres Radioformat mit dem Titel "Ö3 Visual" geplant. Die Medienbehörde KommAustria hat die Veranstaltung eines weiteren, auch bloß online verbreiteten Programms jedoch für unzulässig erklärt.

Verwunderung


Die Medienbehörde zeigt sich verwundert über den Ausstieg des ORF aus dem Digitalradio-Testbetrieb. Dass der ORF als Begründung die KommAustria-Ablehnung von "Ö3 Visual" anführte, sorgt darüber hinaus für Kritik. "Ö3 Visual hat nichts mit DAB+ zu tun. Da ging es de facto um die Beantragung eines neuen TV-Programms für Online", sagte Medienbehörde-Pressesprecher Andreas Kunigk am Dienstag zur APA.

Der ORF darf laut ORF-Gesetz für die Dauer von sechs Monaten sehr wohl neue Programme in einem Testbetrieb ausprobieren, auch ohne Vorabprüfung durch die KommAustria, erklärte Kunigk. Neue Testprogramme seien dem ORF laut Gesetz grundsätzlich erlaubt. "Es ist für uns jedenfalls neu, dass der ORF Entscheidungen der KommAustria antizipiert. Da stellt sich schon die Frage, wie sehr der Digitalradio-Testbetrieb dem ORF am Herzen liegt", so Kunigk.