London. Die britische Regierung muss handschriftliche Briefe von Thronfolger Prinz Charles (66) aus den Jahren 2004 und 2005 veröffentlichen. Das entschied das höchste britische Gericht am Donnerstag in London, indem es eine Blockade der Regierung zurückwies. Damit gaben die Richter indirekt nach einem zehn Jahre währenden Rechtsstreit einer Forderung der Zeitung "The Guardian" statt. Fünf der sieben Richter sollen im Sinne des "Guardian" gestimmt haben.

In den wegen der krakeligen Handschrift des Thronfolgers "Black-Spider-Memos" genannten Nachrichten soll Charles seine persönlichen Standpunkte zu politischen Fragen vertreten haben. Die ungeschriebene britische Verfassung sieht allerdings vor, dass die königliche Familie politisch neutral bleiben sollte. Charles kommuniziert allerdings seit Jahren mit den verschiedensten Ministerien, um seine Meinung zu bestimmten Themen kundzutun. Bei den nun freigegebenen Briefen handelt es sich um 27 Schreiben aus den Jahren 2004 und 2005, die Charles an sieben Ministerien von Tony Blairs Regierung schickte. Die Briefe sollen Medienberichten zufolge in einem sehr emotionalen Stil abgefasst sein, der Prinz verwende viele Ausrufezeichen und unterstreiche einige Passagen, heißt es.

Insgesamt 275.000 Pfund kostete das jahrelange Verfahren dem britischen Staat bereits. Aus dem Umkreis des Prinzen bestehe man auf das Recht von Charles, private Korrespondenzen mit Ministern zu führen, eine Veröffentlichung könnte Charles als nicht mehr politisch neutral dastehen lassen, was die Monarchie untergraben würde, lauteten Befürchtungen.

Charles’ Büro zeigte sich in einer Mitteilung "enttäuscht" über die Entscheidung. Laut BBC hat die Regierung jetzt etwa vier Wochen Zeit für die Veröffentlichung.