London. Ed Miliband hat nichts zu lachen. Nicht nur gegen David Camerons Konservative tritt der Oppositionsführer und Labour-Vorsitzende zu den Unterhauswahlen am 7. Mai an. Auch Britanniens Pressebarone suchen "Red Ed" mit geballter Macht aus dem Feld zu schlagen. In vielen britischen Zeitungen taucht Miliband allmorgendlich entweder als "weirdo", als totaler Sonderling, auf - oder als verkappter Kommunist, als Gefahr für Land, Leute und privates Eigentum.

Persönliche Angriffe wechseln dabei mit allerlei dunklen Gerüchten und Gerüchte mit dem Wehgeschrei "prominenter Geschäftsleute", die in Wirklichkeit irgendwo in Steueroasen leben und gar kein Stimmrecht in Großbritannien haben. Allerdings können sich die, diese Angriffe führen, nie ganz klar darüber werden, ob Labours Kandidat für die Downing Street nun eine lachhafte Figur sein soll oder eine Gefahr für die natürliche Ordnung der Dinge, eine Bedrohung für das Vereinigte Königreich.

Polternde Leitartikel

Niemand erwartet natürlich, dass sich britische Zeitungen vor Wahlen Zurückhaltung auferlegen. Politische Präferenzen haben so gut wie alle Blätter im Land. Polternde Leitartikel gehören dazu und klare Wahlempfehlungen kurz vor dem Wahltag. "Guardian", "Mirror" und "Independent" stehen eher im progressiven Lager, während "Times", "Telegraph", "Mail", "Sun", "Express" und "Star" die Konservativen unterstützen.

Die derzeitige Anti-Miliband-Kampagne der Tory-treuen Presse geht aber weit über traditionelle Formen der Parteinahme hinaus. Sie ist zur Vernichtungsschlacht geworden und arbeitet mit Mitteln rücksichtsloser Herabsetzung. Miliband wird abwechselnd als Clown, als Witzfigur, als Schreckgespenst, als Brudermörder, potenzieller Vaterlandsverräter oder roter Knallkopf vorgeführt: immer aber als einer, dem man um Himmels willen keine Regierungsgeschäfte anvertrauen darf.

Ähnliche Mittel sind natürlich schon in der Vergangenheit gegen Labour-Kandidaten eingesetzt worden. Zum Beispiel gegen Michael Foot und Neil Kinnock, in den 80er und frühen 90er Jahren. Dito 2010 gegen Gordon Brown - als Rupert Murdochs Interesse an "New Labour" erkaltet war und er die Tories wieder in Downing Street sehen wollte.

Dennoch ist an der Schärfe der aktuellen Feindseligkeit gegenüber Ed Miliband etwas Ungewöhnliches. Nicht einmal Kinnock wurde derart pausenlos mit übel riechender Tinte berieselt. Zum Teil mag das damit zu tun haben, dass Miliband in Aussicht gestellt hat, Großbanken, in- und ausländisches Kapital und die Besitzer teurer Villen mehr als bisher zur Kasse zu bitten.