Detective Marcus Farrow (John Stimm) wird zu einem folgenschweren Leichenfund gerufen. - © WDR
Detective Marcus Farrow (John Stimm) wird zu einem folgenschweren Leichenfund gerufen. - © WDR

Es hätte eigentlich ein ganz normaler Tag werden sollen. So normal, wie es das Leben von Marcus Farrow (John Simm) eben zulässt. Zwar ist er ein fürsorglicher Vater, lebt im englischen Manchester, doch er ist auch Polizist. Und als solcher kann der neue Arbeitstag eben auch mit der Besichtigung eines Tatorts beginnen.

Eine Leiche wurde gefunden. Sie dürfte schon seit einiger Zeit am Tatort liegen. Detective Constable Marcus Farrow gelingt es schnell, die Identität des Toten zu klären - es handelt sich um den Mafia-Boss Omer Hassan.

Um am Abend Zeit mit seinen beiden Kindern Finn und Max verbringen zu können, nimmt er das gesamte Material - zwei alte Disketten - zum Fall Hassan mit zu seiner Ex-Frau Abi, um sich den Fall dort noch einmal in Ruhe anschauen zu können. Die Ruhe dauert aber nicht lange an. Marcus erfährt, das Abi einen neuen Mann in ihrem Leben hat und es kommt zu einem großen Streit zwischen dem einstigen Ehepaar. Völlig aufgebracht lässt sich Marcus von seinem Kollegen und besten Freund Devlin (Craig Parkinson) abholen. Tags darauf ermitteln sie weiter am Fall Omer Hassan und stoßen dabei auf erste Ungereimtheiten. Eigentlich hätte der Mafia-Boss bereits vor zehn Jahren das Land verlassen sollen. Das bezeugte damals zumindest ein gewisser Christopher Lomax. Die beiden Polizisten suchen den Zeugen auf, der mittlerweile schwer krank ist und ohne Umschweife zugibt: Ja, er hat damals gelogen, Omer Hassan hat in Wahrheit nie das Land verlassen. Er wurde ermordet.

Zum Abschied gibt Lomax Detective Farrow noch einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg: Er solle sich nicht zu sehr in den Fall einmischen, wenn ihm das Leben seiner Familie lieb sei.

Marcus hätte die Warnung des schwerkranken Mannes ernst nehmen sollen. Als er am Abend bei Abi vorbeischaut, um die Disketten abzuholen, die er am Vorabend vergessen hat, findet er Abi schwer verletzt mit einer Stichwunde vor. Jede Hilfe kommt zu spät, sie stirbt in Marcus’ Armen.

Da er nun einen persönlichen Bezug zu dem Fall hat, übernimmt an seiner Stelle die leicht labile Hauptkommissarin Susan Reinhardt (Rosie Cavaliero). Zum einen stalkt Reinhardt ihren Ex-Freund, zum anderen stopft sie sich ständig mit Essen voll. Nötiges Einfühlungsvermögen scheint ihr ebenfalls zu fehlen. Als sie Marcus verhört, teilt sie ihm unverblümt mit, dass auch sein Sohn Max ermordet wurde. Reinhardt ist der Meinung, das Marcus selbst der Täter gewesen sein könnte. Tatsächlich spricht vieles dafür. Und obwohl es nur Indizienbeweise sind, die sie gegen Marcus in der Hand hat, lässt sie ihn festnehmen. Am Weg zum Gefängnis hat der Wagen jedoch einen Unfall und Marcus bietet sich unverhofft die Gelegenheit zur Flucht. Er nimmt sie wahr, möchte seine Unschuld beweisen und den Mörder seiner Familie finden. Von nun an ist Marcus also auf der Flucht vor seinen ehemaligen Kollegen - und die Jagd beginnt.

Es ist wieder eine Mini-Serie aus Großbritannien - und wieder ist sie gut gelungen. "Prey - die Beute" (Do., ab 21.45 Uhr, WDR) erzählt zwar mit dem Inhalt, der sich um einen Polizisten dreht, der zu Unrecht eines Verbrechens angeklagt wird und mehr oder weniger Selbstjustiz verüben will, nicht unbedingt eine neue Geschichte. Doch sie ist spannend erzählt und hält die nötigen Überraschungsmomente, die eine detektivische Thriller-Serie benötigt, parat. In drei Folgen zu jeweils 45 Minuten wird die rasante Jagd zwischen Polizei und vermeintlichem Täter gezeigt. Der beliebte britische Schauspieler John Simm ("Life on Mars", "Doctor Who") überzeugt als traumatisierter Polizist, dessen Leben von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu existieren scheint und der niemandem mehr trauen kann.

Der WDR zeigt am Feiertag alle drei Folgen der ersten Staffel am Stück. In Großbritannien erreichte die Serie bei ihrer Premiere im vergangenen Jahr auf dem Sender ITV hervorragende Quoten und wurde auch für einen der renommierten Bafta-Awards nominiert. Derzeit laufen die Dreharbeiten für eine zweite Staffel. Die Jagd geht also in die nächste Runde. Diese wird jedoch keine direkte Fortsetzung sein. Man plant mit neuem Hauptdarsteller und neuer Story, beziehungsweise auch neuer Beute.