Wien. Was in vielen Ländern Europas bereits Standard ist, wird, heute, Donnerstag, mit Verspätung auch in Österreich Realität. Zumindest im Osten. Denn in der Region um Wien startet der Probebetrieb des Digitalradios mit dem europaweiten Standard DAB+ (Digital Audio Broadcast). Dieser neue digitale Standard hat gegenüber dem derzeit aktiven analogen Rundfunk genau einen massiven Vorteil: Er bietet viel Platz auf den Frequenzen und somit etlichen Radioprogrammen, die nie eine analoge Frequenz bekommen hätten, die Möglichkeit, zu starten.

DAB+ hat aber auch einen gewaltigen Nachteil: Es ist mit herkömmlichen Radiogeräten nicht zu empfangen, denn nur Radios, die auch DAB+ empfangen können, sind geeignet. Das ist in der Regel bei kaum einem Gerät der Fall. Außer bei Neuwagen, wo meist Radios verbaut werden, die auch DAB+ empfangen können. Alle anderen Radios müssten getauscht werden, sollte DAB+ alleiniger Standard werden. Dies dürfte allerdings in Österreich aufgrund des massiven Widerstands der etablierten Sender nicht so bald der Fall sein. Vorerst ist ab 2018 ein Parallelbetrieb zu UKW geplant. Frühestens 2024 ist an eine Abschaltung von analogem UKW gedacht. Damit würden mit einem Schlag Millionen von Radios unbrauchbar werden.

Verhärtete Fronten


Die Fronten sind somit relativ klar: Der Elektrohandel, der massiv von einer Abschaltung profitieren würde, lobbyiert seit Jahren für DAB+. Die etablierten Radiosender, die eine (oft teuer erkämpfte) analoge Frequenz haben, sind vielfach strikt dagegen - immerhin müssten sie mit deutlich mehr Konkurrenz rechnen, wenn die Vielfalt steigt. Daher sind die großen wie der ORF (dessen Radios immerhin drei von vier Hörern täglich hören) oder Kronehit aus dem Probebetrieb ausgeschieden. Man will so offenbar vermeiden, dass DAB+ allzu schnell aus dem Nischendasein hinausfindet - und es damit die Ausnahme bleibt, dass der Konsument zu einem DAB+-Radio greift.

Doch in den Nischen erblühen oft interessante Gewächse. So lohnt sich der Blick auf die Liste der 15 großteils neuen Sender, die nun die Chance haben, ihr Publikum zu finden. Neben bestehenden Sendern wie Radio Arabella, Radio NRJ oder Lounge FM (das seit Jahren in Wien um eine Frequenz in Wien kämpft) gibt es auch viel Neues auf der Liste (siehe Grafik). Herold startet etwa mit einem Soft Rock & Pop-Format, Now Radio bringt christliche und jugendfreie Musik, der Autofahrer-Club Arbö ein Verkehrsinformationsradio, Karl Habsburgs Radioprojekt SoundTrax liefert Filmmusik und Arabella bietet neben dem gewohnten Schlager- und Oldies-Format auch noch ein Rock-Radio.

Zusätzlich zum Ton können auch Daten und Bilder gesendet werden. So ist es mit DAB+ etwa möglich, das Albumcover auf dem Radiobildschirm einzublenden oder andere relevante Daten wie Verkehrsinfos. Ein weiterer Vorteil von DAB+, der die Nutzung im Auto sinnvoll macht.

Digitalradio kann über DAB+-fähige Geräte empfangen werden. Diese sind im Handel ab 30 Euro erhältlich und werden standardmäßig auch in immer mehr Autoradios eingebaut. Digitalradio kann ohne Internetverbindung empfangen werden. Jedes DAB+-fähige Gerät kann auch UKW-Sendesignale empfangen.