• vom 02.06.2015, 15:26 Uhr

Medien

Update: 02.06.2015, 16:28 Uhr

Medien

Das Doppelleben des Daniel C.




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Barbara Dürnberger

  • "Zwei Familien, ein Leben": Deutsche TV-Premiere für eine weitere gelungene BBC-Produktion auf arte.

Daniel Cotton (Philip Glenister) hilft Joanne (Liz White) aus den Trümmern - eine Liebe entsteht.

Daniel Cotton (Philip Glenister) hilft Joanne (Liz White) aus den Trümmern - eine Liebe entsteht.© arte Daniel Cotton (Philip Glenister) hilft Joanne (Liz White) aus den Trümmern - eine Liebe entsteht.© arte

Manchester, 1996: Es ist ein schöner sommerlicher Samstagvormittag in England. Die Fußball-Europameisterschaft gastiert im eigenen Land. Man bemüht sich, ein friedliches und gut organisiertes Fußballfest zu feiern. In Manchester bereitet man sich an diesem Tag nicht nur im legendären Old Trafford Stadion, sondern auch in den umliegenden Pubs und Einkaufsmeilen auf das lang erwartete Derby gegen die Nachbarnation Schottland vor.

Inmitten der Euphorie geht plötzlich eine Bombe hoch. Die IRA, die Irisch-Republikanische Armee, bekennt sich zu dem Anschlag, der mehr als 200 Tote und Hunderte Verletzte fordert.


Inmitten dieses Szenarios beginnt die Handlung der packenden Mini-Serie "Zwei Familien, ein Leben" (Do., ab 20.15 Uhr, arte), die am Donnerstag ihre deutsche Free-TV-Premiere feiert. Für die Hauptrollen konnten die vor allem in Großbritannien bekannten Darsteller Philip Glenister, Saskia Reeves und Steven Mackintosh gewonnen werden.

Die dreiteilige Produktion umfasst den Zeitraum zwischen 1996 und 2000. Und zeigt, wie der Anschlag weitreichende Auswirkungen auf eine Gruppe Überlebende hat. Daniel Cotton ist am Tag des Anschlags gemeinsam mit seinem Vater und Bruder in einem Pub nahe dem Anschlagsort zu Gast. Gemeinsam mit Kellnerin Joanne überleben sie nur knapp.

Zwischen Daniel und Joanne, alleinerziehende Mutter zweier Söhne, entsteht durch das gemeinsam Erlebte eine besondere Verbindung. Daniel trifft sich weiterhin mit Joanne, lernt ihre Söhne kennen und wird mehr und mehr zu einem fixen Bestandteil der Kleinfamilie.

Was Daniel Joanne allerdings verschweigt: Er ist bereits Teil einer Familie, hat zwei erwachsene Kinder und ist Teilhaber am Familienunternehmen, der Süßwarenfabrik Cottons Confectionary. Alles in allem führt er ein schönes und eigentlich auch glückliches Leben mit seiner Frau.

Er hält aber weiterhin an der Beziehung zu Joanne fest, verliebt sich in sie und möchte mit ihr zusammen sein. Seine "alte" Familie will er aber auch nicht aufgeben. Also beginnt er ein Doppelleben: zwei Häuser, zwei Telefone, zwei Familien. Eine Zeit lang geht alles gut. Als Joanne die gemeinsame Tochter zur Welt bringt, wird Daniels Leben allerdings zunehmend zeitaufwendiger und wächst ihm über den Kopf. Das Netz aus Lügen nimmt überhand.

All der Stress und die ständige Geheimniskrämerei fordern ihren Tribut: Daniel erleidet einen Herzinfarkt. Sofort eilt die Familie ins Krankenhaus - beide Familien. Als Daniel erwacht, sieht er sich mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert: seine Frau und Joanne, gemeinsam in einem Raum. Von einem Tag auf den anderen verliert er alles. Die Probleme und Geheimnisse der Familie sind damit aber noch lange nicht alle erzählt oder gar gelöst.

"From There To Here", wie die Serie im Original heißt, scheint auf den ersten Blick den IRA-Anschlag von Manchester als Hauptthema aufzugreifen. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass das Attentat und die EM 1996 nur als Ausgangspunkt für das Doppelleben herangezogen werden.

Nach der Vorlage von Autor Peter Bowker und unter der Regie von James Strong, konzentriert sich die Serie nicht auf ein spezielles Ereignis, sondern vielmehr auf das, was danach kommt. Auf die "Rastlosigkeit der Seele", wie der britische "Telegraph" treffend analysiert. Das Verlangen nach mehr, das die Menschen manchmal durch ein tragisches, einschneidendes Erlebnis ereilt. Und die dadurch aufkeimenden Fragen: Was hat es zu bedeuten, dass man zum Beispiel einen Anschlag knapp überlebt hat, während andere sterben mussten? Und ist das grundsätzlich glückliche Leben, das man derzeit führt, wirklich schon alles gewesen?

Wie so oft, wenn die BBC in den vergangenen Jahren mit einer neuen Mini-Serie aufhorchen ließ, ist auch diese Produktion hochwertig und verspricht entsprechende Unterhaltung. Obwohl sie ebenso Kritiken bezüglich so mancher Klischees und einer gewissen Vorhersehbarkeit einstecken musste. Kritisiert wird hier jedoch auf hohem Niveau, die BBC konkurriert ja quasi vor allem mit sich selbst. Im internen BBC-Ranking der letzten Jahre darf sie sich durchaus im oberen Mittelfeld einreihen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-06-02 15:29:07
Letzte Änderung am 2015-06-02 16:28:40


1922 - 2018

Comic-Legende Stan Lee ist tot

20181112Stan Lee - © APAweb / AFP, Getty, Rich Polk Los Angeles. Comic-Legende Stan Lee ist tot: Lee hatte in den 60er Jahren gemeinsam mit dem Marvel-Verlag das Superhelden-Genre revolutioniert... weiter




Mickey Mouse

Die Maus ohne Eigenschaften

20181109_Micky_Maus_wird_90 - © Disney 2018 Es ist nicht so einfach. Obwohl, eigentlich ist es sehr einfach. Das größte Problem der Micky Maus ist, dass sie keine Ente ist... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Nestroy-Preise wurden verliehen
  2. sand
  3. Mord mit Stil
  4. Die stille Größe des Wolfgang Muthspiel
  5. Im Inselreich der Affekte
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
  3. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  4. Schweigen im Blätterwald
  5. Presserat rügt "Wochenblick"


Quiz


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung