Spotify, Deezer und Pandora müssen sich warm anziehen. Ende Juni startet Apple einen eigenen Musikstreamingdienst. Er soll unbegrenzten Zugriff auf 30 Millionen Songs bieten und in 100 Ländern erhältlich sein. 10 Dollar pro Monat kostet das Abo. Ein üblicher Preis, mit dem sich Apple nicht von der Konkurrenz unterscheidet. Günstig gestaltet es dagegen den Familientarif. Für 15 Dollar können hier sechs Personen ihre Lieblingsmusik hören. Wer Apple Music erst einmal ausprobieren möchte: Die ersten drei Monate sind gratis. Anders als bei Spotify gibt es keine über Werbeeinblendungen finanzierte Gratisversion. Man kann die Musik auch offline hören. Der Musikdienst wird nicht nur für iOS-Geräte, sondern ab Herbst auch für Android erhältlich sein. Die Bedienung über Siri, die Sprachsteuerung, funktioniert aber nur auf Apples iOS.

Apple kündigte das neue Angebot auf der Entwicklerkonferenz WWDC an. Auf der Bühne stand neben Konzern-Chef Tim Cook auch Jimmy Iovine, der Gründer von Beats Electronics, das Unternehmen, das Apple vor einem Jahr aufkaufte. Nicht wegen seiner Kopfhörer, wie jetzt endgültig klar geworden ist, sondern wegen seines Musikdienstes. Iovine benutzte bei der Präsentation das Wort "revolutionär". Solche übertriebenen Formulierungen gehören zum Geschäft und sollten nicht ernst genommen werden. Letztlich erfindet Apple das Musikstreaming auch nicht neu. Die Songs werden wie üblich nicht auf dem Rechner gespeichert, sondern direkt aus dem Internet abgespielt. Die Übertragungsrate ist aber recht niedrig. Sie beträgt 256 Kilobit pro Sekunde, weniger als bei der Konkurrenz. Worauf setzt Apple also im Wettkampf mit den anderen? Wodurch hebt sich sein Angebot ab?

Bei Apple Music sind verschiedene Elemente in einer App zusammengefasst. Neben der riesigen Auswahl an Songs, die man jederzeit anhören kann, gibt es auch eine Internetradiostation, Beats 1, die live und rund um die Uhr auf Sendung ist. Am Mikrofon sitzen drei angesagte DJs, die von Los Angeles, New York und London aus moderieren werden. Zudem soll es bei Apple Music passende Empfehlungen geben, solche, die dem Geschmack des Nutzers tatsächlich entsprechen. Musikdienste tun sich damit noch schwer. Fragt sich, wie Apple treffsichere Vorschläge hinbekommen will. Der Nutzerwunsch ist ja auch für spezielle Empfehlungsalgorithmen zum Teil unberechenbar. Jemand, der sonst Heavy Metal hört, möchte vielleicht mal Brit Pop ausprobieren. Jimmy Iovine erklärte, die Algorithmen, die bei Apple Music die Vorschläge machen, bräuchten ein menschliches Element, dann könnten sie den individuellen Geschmack auch besser beurteilen. Wie genau dieses menschliche Element aussieht, sagte er aber nicht.