Brille auf, wild fuchteln: Sonys "Project Morpheus" - Computerspiele im Jahr 2015. - © Reuters/Nicholson
Brille auf, wild fuchteln: Sonys "Project Morpheus" - Computerspiele im Jahr 2015. - © Reuters/Nicholson

Los Angeles. Ein dunkler Raum - darin viele Menschen, die, mit überdimensionalen Brillen, wild um sich fuchtelnd Spaß haben. Keiner sieht seine Mitspieler. Niemand läuft wild in der Gegend herum und dennoch spielt man gemeinsam in riesigen Welten. Wer sich dieser Tage in Los Angeles auf der Computerspielmesse E3 umgesehen hat, dem stachen die bebrillten Spieler sofort ins Auge. Das große Thema - auch in diesem Jahr - war das Spielen in virtuellen Welten mit virtuellen Brillen und zahlreicher zusätzlicher Hardware. VR, also Virtual Reality, so weit das Auge reicht oder eben der Bildschirm direkt auf der Nase. Ein großes Display vor Augen, Kopfhörer, Bewegungssensoren und Eingabegeräte, die im Raum kabellos eine Orientierung in den virtuellen Weiten ermöglichen, so stellen sich die großen Hersteller die Zukunft in der Spielebranche vor. Und wie bei der Neuentdeckung des 3D-Films vor einigen Jahren, war das Thema "VR" auch schon einmal da. Es hatte sich nur ebenfalls nicht durchgesetzt. Und nun soll alles anders werden.

"Morpheus" und "Hololens"


Sony stellte sein "Project Morpheus" für die virtuellen Spiele auf seiner PlayStation 4 vor, Microsoft konterte mit "Hololens" und einer Partnerschaft mit dem Marktführer Oculus, um seiner Xbox One eine Zukunft des bebrillten Spielens zu ermöglichen. Apropos Brillen. Ja, auch Brillenträger können mit den virtuellen Computerbrillen spielen. Es sei ausreichend Platz gegeben, um auch dem Fehlsichtigen noch einen Bildschirm auf die Nase zu knallen, vermelden die Hersteller. Wesentlich schwieriger wird es hingegen, die sogenannte "Motion Sickness", auch bekannt als Reisekrankheit, über die zahlreiche Spieler nach einem Ausflug mit der Computerbrille klagen, in den Griff zu bekommen. "Erst wenn die eine Lösung finden, wie das Spielen auch für sensible Spieler möglich ist, werden wir mit unserem Produkt starten", meinte etwa Oculus-CEO Brendan Iribe. Wer will denn schon bis zum Erbrechen spielen?

Eine neue Zeitrechnung


Abseits neuer Endgeräte standen natürlich die zahlreichen neuen Computerspiele im Mittelpunkt. Ein Fest der Augenschmäuse, neuer technologischer Weiterentwicklungen, aber auch zahlreicher Fortsetzungen bekannter und beliebter Serien wurde in Los Angeles geboten. Und doch war es keine technologische Revolution, die eine große Veränderung brachte. Electronic Arts hat es nach einigen Jahrzehnten wirklich geschafft, auch weibliche Fußballteams in seine Sportsimulation "FIFA 16" aufzunehmen. Nachdem Panini bereits vor vier Jahren mit einem Sammelalbum zur Frauenfußball-WM in Deutschland an den Start ging, ist nun ein weiterer Meilenstein erreicht. "Wir mussten die Technik adaptieren, um realistische Körperbewegungen der Spielerinnen zu erreichen. Wir wollten ja nicht nur Frauenköpfe auf Fußballerkörper stecken, sondern es wirklich gut machen", so David Rutter von EA Sports FIFA. Zwar wird es immer noch nicht möglich sein, dass die US-amerikanische Torfrau Hope Solo den portugiesischen Stürmer Cristiano Ronaldo verdammt alt aussehen lassen wird, aber ein Anfang ist gemacht.

Aufgrund der großen Vielfalt, der unterschiedlichen Geschmäcker und des begrenzten Platzes ist eine ausführliche Aufzählung der Spielehighlights hier nicht möglich. Aber in aller Kürze eine kleine, aber feine Liste der großen Spielehoffnungen der nahen Zukunft - von Microsoft, Nintendo, Sony, Ubisoft bis zu Square Enix, Bethesda und Bandai Namco: Abzu, Adr1ft, Below, Dark Souls III, Fallout 4, For Honor, Fortnite, Horizon Zero Dawn, Kingdom Hearts III, Metal Gear Solid V: The Phantom Pain, No Man’s Sky, Star Wars Battlefront, Super Mario Maker, Tom Clancy’s Ghost Recon: Wildlands und Uncharted 4: A Thief’s End. Interessierte finden die Trailer auf YouTube oder auch auf Wienerzeitung.at.

Die nächsten Fixpunkte für Spielefans sind die Gamescom in Köln (5. bis 9. August) und die Tokyo Game Show (17. bis 20. September).