Es soll ein unvergessliches TV-Ereignis werden: Am Samstag gastiert der langlebige und äußerst beliebte "Musikantenstadl" (Sa., 20.15 Uhr, ORF2/ARD) zum ersten Mal in seiner Geschichte in Kroatien und sendet noch dazu nicht wie gewohnt aus einer Halle, sondern live aus dem römischen Amphitheater von Pula. Damit aber nicht genug: Diese Ausgabe ist die letzte Show unter der Moderation von Andy Borg.

Beim nächsten Mal im September werden an seiner Stelle Alexander Mazza und Francine Jordi die Schlager-Show moderieren. Eine personelle Verjüngungskur für den "Stadl", der rundum erneuert werden soll und in dessen neues Konzept Borg nicht mehr passe, so die verantwortlichen öffentlich-rechtlichen Sender aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. "Eine bittere Pille, die es zu schlucken gilt", sagt Borg.

Neun Jahre lang moderierte er mit Hingabe die Show, die er von "Mr. Musikantenstadl", Karl Moik, 2006 übernommen hat. Die Sender-Entscheidung, sich von dem 54-Jährigen zu trennen, kam für ihn selbst überraschend. Ein Schock sei es gewesen, der ihn im ersten Moment gar nicht klar denken ließ. Mittlerweile habe er sich mit der Kündigung abgefunden, die Entscheidung akzeptiert: "Am Anfang war ich stinksauer, weil ich aus meiner Sicht nichts falsch gemacht habe, aber jetzt denk’ ich mir: Wer kann schon sagen, so eine Sendung so lange begleitet zu haben? Und ich stürz’ ja jetzt nicht ab, bin weiter Schlagersänger und bleib’ meinem Publikum eben auf diese Weise treu. Alles ist gut", sagte Andy Borg im Interview mit "tv-media".

Das Publikum reagierte angesichts der Entscheidung wenig begeistert. In den neun Jahren, in denen Borg die Show moderierte, hat er sich eine große Fangemeinde geschaffen. Genauso wie einst bei Moiks Abgang fragt man sich nun, wie der "Stadl" bestehen soll. Die geplante Verjüngungskur stößt bei den Fans auf Unverständnis. Die Sender sehen darin vorerst kein Problem, schließlich sei es das Ziel, ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Auch Borg steht den Änderungen eher kritisch gegenüber. Jung und hip alleine, das sei kein Erfolgsrezept: "Gerade ältere Menschen brauchen Sendungen, die für sie ein Stück Heimat sind. Das wird in unserer älter werdenden Gesellschaft zunehmend wichtig." Seit 1981 wird der "Musikantenstadl" im österreichischen, seit 1983 auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Das Konzept hat sich in den Jahren kaum geändert: leicht eingängige Musik - vorzugsweise Playback -, zwischendurch seichtes Geplänkel und Smalltalk mit den Gästen. Dazu ein paar spaßige Kommentare, die zumeist einen eher speziellen Humor voraussetzen. Und natürlich die Heurigenbänke, die in den "Scheunen" bis zum letzten Platz besetzt sind. Die Gäste werden dabei stets animiert mit mehr oder weniger rhythmischem Klatschen und Geschunkel zu suggerieren: "Die Show ist toll. Wir haben viel Spaß hier!"

Was genau an diesem durchaus simplen, aber dennoch erfolgreichen Konzept geändert und verjüngt werden soll, bleibt demnach abzuwarten.

Mit der heutigen Sendung geht die Borg-Ära jedenfalls zu Ende. Als Gäste werden Umberto Tozzi, Johnny Logan, Patrick Lindner und Andreas Gabalier erwartet.

Große Gefühlsausbrüche erwartet Andy Borg für seine finale Sendung nicht. Die habe er bereits hinter sich, wie er gegenüber der Deutschen Presseagentur sagt: "Besonders emotional und schwierig war die vergangene Sendung im März in Oberwart in Österreich. Meine Kündigung war damals ganz frisch. Am Tag der Sendung wurde der Erfinder des Stadls, Karl Moik, beerdigt, der zwei Tage zuvor gestorben war. Und ausgerechnet als ich am Ende der Sendung dazu etwas sagen und ihm die letzte Ehre erweisen wollte, gab es einen Sendeausfall. Das war eine Berg- und Talfahrt der Gefühle." Für die Verabschiedung selbst sind keine großen Gesten geplant. Die Bühne wird der Moderator deshalb auch nicht mit Worten, sondern mit einem Lied verlassen und noch einmal sein berühmtes "Adios Amor" zum Besten geben. "Mit ihm sage ich den Zuschauern Danke."