London. Die BBC steht für Großbritannien wie die Queen und die Teestunde. Die Konservativen nutzen nun ihre neue Mehrheit, um dem Senderverbund die Zähne zu zeigen. Das hat nicht nur Bond-Darsteller Daniel Craig und die frühere "M"-Darstellerin Judi Dench auf den Plan gerufen, sondern weitere Größen der britischen Unterhaltungsindustrie wie Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und Tierfilmer-Ikone David Attenborough. In einem offenen Brief stellten sie sich hinter die Rundfunkanstalt und gegen das, was ihr - neben einem angekündigten Abbau von 1000 Stellen - drohen dürfte. Eine "gründliche Überprüfung" steht der BBC bevor, wie der Minister für Medien, John Whittingdale, es ausdrückt. Prüfen lassen wolle er, ob die BBC weiter "alles für alle" produzieren oder "zielgerichteter" arbeiten solle. Hintergrund ist, dass die gesetzliche Grundlage der BBC, die Royal Charter, nur noch bis Ende 2016 gilt. Sie legt den öffentlichen Auftrag und die Struktur der Sendergruppe fest.

Wie argwöhnisch die Politik auf die Macht des Medienkolosses schielt, wurde zur britischen Unterhauswahl im Mai deutlich. Penibel zählten die Parteien Sendeminuten. Fast jede klagte, die BBC sei nicht neutral. Bei konservativen Politikern und Medien hat BBC-Misstrauen eine gewisse Tradition. Die Rundfunkanstalt hat das zu spüren bekommen, seit die Tories unter Premierminister David Cameron im Mai die absolute Mehrheit im Parlament geholt haben. Ein achtköpfiges Gremium soll nun Aufgaben, Struktur und Finanzierung des britischen Rundfunk-Flaggschiffs infrage stellen. In den Fokus rücken dürften etwa das Online-Nachrichtenangebot und Unterhaltungssendungen wie Tanz-, Gesangs- und Backwettbewerbe. Intendant Tony Hall hat vergangene Woche bereits gefordert, die Öffentlichkeit mitentscheiden zu lassen, sie zahle schließlich die Gebühren.