Mit der fing Ende der 70er Jahre alles an. Sein erstes Geschäft eröffnete er in der Schlachthausgasse, "da ist heute ein Puff drinnen". Die Wiener Comicszene war klein, aber hungrig nach neuen Geschichten. 1987 eröffnete er auf der Landstraßer Hauptstraße diesen Comicshop. Bald waren es sogar drei Läden in ganz Wien.

Alles sehr nette Menschen

Die andern beiden hat er inzwischen an seine zwei Töchter verteilt. Nur den ersten hat er mit seiner Frau noch behalten. Von den beiden hängt ein Foto zusammen mit dem legendären Zeichner Carl Barks über der Theke. Dem Erfinder von Dagobert Duck: "Ein Genie." Ihn und andere Comicgrößen, wie den Zeichner von Tarzan, Hal Foster, hat Hutterer noch getroffen, "alles sehr nette Menschen, diese Comic-Zeichner".

Der Comicshop hat immer noch alles, was man für einen ordentlichen Buch- oder Zeitschriftenladen braucht: Bunt bemalte Seiten stapeln sich in Kisten am Boden, schmiegen sich in Kartons aneinander und füllen die Regale bis zur Decke. Während Lucky Luke "westwärts" reitet, galoppieren Winnetou und Old Shatterhand über den Buchdeckel von "Karl-May-Filmbildgeschichten". Lois Lane seufzt zwischen zwei Seiten gerettet in Supermans Armen: "Du bist immer da...". An anderer Stelle werden in der Graphic Novel essenzielle Aussagen getroffen: "Die Identität ist ein Werden." "Du scharfes Stück", haucht ganz hinten in einem Comic-Porno eine schmolllippige Blonde. Während ein anderes Buch "Literaturadaptionen im Comic. Ein modulares Analysemodell" wissenschaftlich diskutiert.

Unterdessen lässt sich bei seinen Kunden wirklich kein Muster entdecken. Eine ältere Frau fragt nach einer ganz bestimmten Ausgabe, Erwin Hutterer verschwindet hinter Kisten. Ein junger Mann mit Skateboard unterm Arm schlängelt sich stöbernd vorbei an den Star Trek-Figuren. Ein anderer Herr zieht ein paar Cents für ein gebrauchtes "Jerry Cotton"-Heft aus der Hosentasche und wirft sie auf den Ladentisch.

"Micky Maus" wird bleiben

Aber etwas anderes muss einem doch wirklich Sorgen bereiten: Selbst die "Micky Maus"-Hefte haben seit Jahren mit stark rückläufigen Auflagenzahlen zu kämpfen? "Das geht allen Comicverlagen so", die "Micky Maus" sei nur das symbolträchtigste Format. Aber, beruhigt er, die "Micky Maus" wird es auch weiterhin geben. Erwin Hutterers Optimismus ist unerschütterlich.

Ebenso unbeeindruckt schaut er der ersten österreichischen Comic-Con im November in Wien entgegen. Das amerikanische Vorbild der Messe kommt heuer nach Österreich und nach Deutschland 2015 und 2016 gleich zweimal. Vielleicht gehen seine Töchter hin. Früher ging er auch auf Comicmessen, da kannte er nahezu die ganze Fangemeinde der Stadt beim Namen. Aber die Messen sind immer am Wochenende und sonntags "da habe ich jetzt anderes vor." Bestimmt nicht, Trends hinterherzulaufen.