Romantik à la Muppets: Kermit und Piggy in besseren Tagen. - © Imago/United Archives
Romantik à la Muppets: Kermit und Piggy in besseren Tagen. - © Imago/United Archives

"Ja, ist denn nichts mehr heilig", kommentierte nicht nur eine Nachrichtenseite die Breaking News vom Dienstag Abend. Und wieder andere konstatierten so lapidar wie grundsätzlich: "Love has died." Und das war so welterschütternd gemeint, wie es klingt. Denn immerhin hatten Miss Piggy und Kermit gerade ihre Trennung bekanntgegeben.

Auf seiner Facebookseite hatte der rührige rosa Rüssel geschrieben: "Nach sorgfältigem Bedenken, bedächtigen Überlegungen und überlegter Plänkelei haben Kermit der Frosch und moi die schwierige Entscheidung getroffen, unsere romantische Beziehung zu beenden." Ein Schock, hatte diese gattungstolerante Verbindung doch fast 40 Jahre gehalten. Noch vor ein paar Wochen begleitete die tapfere Amphibie ihre verehrte Sau zu einer ganz besonderen Preisverleihung. Da wurde Miss Piggy für ihren Feminismus geehrt. Kermit sagte: "Niemand hat mehr Barrieren zerbrochen als sie - und niemand hat mehr Scherben zusammengekehrt als ich."

Eine einzige Krise


Und dann sagte er etwas, bei dem man aufmerken hätte müssen: "Im Moment ist unsere Beziehung o.k., glaube ich, aber das muss ich jede Stunde neu checken. Wir hatten einige Krisen, eigentlich war es eine einzige Krise, seit wir uns kennengelernt haben."

Andererseits muss man aber auch sagen: Die beiden waren schon sehr verschieden. Zum einen war sie ein Schwein und er ein Frosch. Zum anderen stand die Beziehung eventuell seit dem ersten Kinnhaken, den Piggy Kermit wegen nicht angemessen erwiderter Liebe seinerseits verpasst hat, nicht unter dem besten Stern. Die Impulskontrolle der Sau mit der Perlenkette war schon immer verbesserungsfähig. Es war auch keiner überraschter als Kermit selbst, als Piggy ihre Verlobung 1979 im Live-Fernsehen bekanntgab. Der tatsächliche Beziehungsstand blieb freilich immer nebulös. Es gab ein paar Hochzeitsversuche, doch ob die beiden verheiratet sind, ist eigentlich unklar. Aber wie hätte der Frosch die Braut auch je über die Schwelle wuchten sollen.

Geschäft mit der Privatsphäre


Ihr Facebook-Statement sieht jenen dürren Zeilen sehr ähnlich, mit denen Zelebritäten neuerdings ihre Trennungen öffentlich machen. In den vergangenen Wochen traf es etwa die Hollywoodstars Ben Affleck und Jennifer Garner sowie die Musikpersönlichkeiten Gwen Stefani und Gavin Rossdale. Die Häufung der Fälle lässt einschlägige Publikationen gar vom "Sommer, in dem die Liebe starb" reden. Sieht man genauer hin und liest nicht nur die schnellen Schlagzeilen auf Twitter, entdeckt man die satirischen Beigaben, für die die "Muppets" seit jeher bekannt sind. So wird mit subtilem Sprachspiel auf Schauspielerin Gwyneth Paltrows unglücklich-prätentiöse Formulierung des "Conscious Uncoupling" (des bewussten Entpartnern) angespielt. Und Piggy und Kermit wollen nichts weiter zu dem Thema sagen - "außer jemand hat ein gutes Angebot".

Schließlich bringen sie mit der dreisten Werbung für ihre neue, im Herbst startende Serie in ihrem tragischen Trennungsstatement die Absurdität des Geschäfts mit der Privatsphäre und der Währung "Berühmtheit" schweinisch genial auf den Punkt. Anders gesagt: Diese Trennung ist ein Marketinggag - so sicher, wie Grammeln in ein Schmalz gehören. Wer den Trailer für die neue Show gesehen hat, eine Serie im Fake-Dokumentationsstil, die sich um das Privatleben der Puppen dreht, weiß schon, dass die rumplige Beziehung der beiden ein wichtiger Handlungsstrang sein wird. Inklusive Fremdflirten des Frosches mit einem anderen Schwein. Ein Produzent hat sogar verraten, wem der umworbene Rüssel gehört: Die Sau heißt Denise. Und sie arbeitet ausgerechnet in der Marketing-Abteilung des Senders.

Also keine Sorge. Miss Piggy wird den Frosch garantiert zurückerobern. Es könnte nur sein, dass es ihm ein bisschen wehtun wird. Oder sehr.