Dreiste Kopien


Das mag auf den ersten Blick befremden. Es wird aber im Vergleich mit den vielen Kopien der "Golden Girls" überdeutlich. Die dreisteste Kopie ist übrigens geschickt camoufliert: Wer freilich in der nymphomanischen Samantha nicht Blanche erkennt und in der herzig-naiven Charlotte nicht Rose, der hat bei "Sex and the City" nicht wirklich genau hingeschaut. Ganz abgesehen von Miranda, die die misanthropisch-zynische Enkelin von Dorothy sein könnte. Gut, Carrie teilt nur das Accessoire-Faible mit Sophia, die ja bekanntlich nicht einmal den Mitternachtssnack im Nachthemd in der eigenen Küche ohne ihr Korbtäschchen zu sich nimmt.

Von den vier Girls lebt heute nur mehr eine: Betty White, die im vergangenen Jahrzehnt ein beachtliches Comeback erlebt hat, meist in bizarren Rollen, die von der harmlosen Rose mehr als eine Rollatorlänge entfernt waren. Die 93-Jährige nimmt es mittlerweile mit Humor, dass ab und zu ihr Ableben als Internetscherz vermeldet wird. Die Sitcom selbst, die 1992 beendet wurde, ist auch nur scheintot: Neben einer treuen Liebhabergemeinde gibt es genug Fans, die sich nur zu gern wieder daran erinnern, dass sie Fans waren und bleiben. Deshalb könnte es nach mehr als 30 Jahren zu einer besonderen Würdigung kommen: ein Legoset der "Golden Girls" (mit einer großartigen Dorothy mit verzogenem Mund) hat bereits mehr als 10.000 Unterstützer.

Wie sagte Rose so schön: "Je älter man wird, desto besser wird man. Außer man ist eine Banane." Und wie hätten die anderen Girls so schön drauf gesagt: "Halt die Klappe, Rose!"