Nicht einmal das Logo ist mehr sicher: Channel 4 in London. - © amethyst/Demotix/Corbis
Nicht einmal das Logo ist mehr sicher: Channel 4 in London. - © amethyst/Demotix/Corbis

Seit 33 Jahren bildet eine aus neun bunten Klötzen zusammengefügte große "4" das Logo des eigenwilligsten TV-Senders in Großbritannien. Nun aber plant Channel 4 - der vierte Kanal - eine radikale Reform seiner Selbstdarstellung. Die "4" soll spielerisch in ihre Elemente zerlegt werden, auch wenn die Ziffer dann nicht länger zu erkennen ist, haben die Chef-Designer des Senders entschieden. "Schließlich ist Channel 4 so viel mehr als bloß eine glänzende große Zahl und als ein paar schöne Gefühle, die damit verbunden sind", meinen sie.

Die just verkündete Änderung hat Ratlosigkeit ausgelöst bei Channel-4-Sympathisanten. Vielleicht hat sie ja mit der generell prekären Situation des Senders zu tun. Denn die ganze Zukunft von Channel 4 ist ungewiss geworden. David Camerons Regierung erwägt, den Kanal mit der "glänzenden großen Zahl", der sich bis heute in öffentlicher Hand befindet, zu privatisieren.

Gegen den Strich


Eine Milliarde Pfund Erlös könnte der Verkauf von Channel 4 der Regierung eintragen: ein kleines, aber nützliches Sümmchen bei der Verminderung des britischen Haushaltsdefizits. Auch noch aus anderen Gründen liebäugeln die Konservativen aber mit der Veräußerung des Senders. Wirtschaftsminister Sajid Javid, in dessen Tresor die Channel-4-Aktien liegen, und der fürs Fernsehen verantwortliche Kultus- und Medienminister John Whittingdale sind beide leidenschaftliche Befürworter freier Marktwirtschaft - und keine Freunde großer, erfolgreicher Staatsbetriebe.

Whittingdale hat sich bereits die radikale Schrumpfung der mächtigen BBC zum Ziel gesetzt für die nächsten Jahre. Nicht zuletzt, um privaten Sendern wie Sky mehr Aktionsradius und höhere Profite zu ermöglichen. Channel 4, die kleine Halbschwester der "Beeb", soll bei dieser Gelegenheit gleich mit "behandelt" werden.

Dabei war Channel 4 seit seiner "Geburt" 1982 als andersartiges, als gegen den Strich gebürstetes Programm-Angebot konzipiert gewesen. Schon seine Verfassung war etwas ganz Neues.

Es befand sich wie die BBC zu 100 Prozent in öffentlichem Besitz und hatte einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen. Anders als die BBC sollte es sich aber nicht aus Rundfunkgebühren, sondern aus Werbung finanzieren. Es war eine Art Zwitter: kommerziell operierend und viele kleinere Produktionsfirmen am Leben haltend - aber ohne Profitzwang.