Autor Jens Hoffmann. - © IPBm
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Wien. (bau) "Kriminalität am Arbeitsplatz? - Wir doch nicht", dürfte hierzulande das Motto in vielen Unternehmen lauten. Zumindest berichtet Institutsleiterin Monika Spiegel von der Sigmund Freud Universität in Wien von einer gewissen Reserviertheit gegenüber dem Thema "Work and Crime", das am Montag auch Thema einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion unter der Leitung von "Wiener Zeitung"-Chefredakteur Reinhard Göweil sein wird. Die Wirtschaft im Kriminal? Das könne doch nicht sein, so die typische Denkweise. Oder wenn, dann nur bei den anderen.

Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Jeder Zweite war gemäß einer großen Studie bereits im Rahmen seiner Arbeit Bedrohungen ausgesetzt, berichtet Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. Der Psychologe und Autor des Buches "Menschen entschlüsseln" berichtet dabei von vielfältigen Szenarien: Ob schwierige Kunden, der cholerische Chef, gehässige Kollegen von Mobbing bis Stalking - vieles davon lässt sich auch in Unternehmen wiederfinden. Wobei die generelle Tendenz, die Vorkommnisse eher unter den Teppich zu kehren und nur ja nichts nach außen dringen zu lassen, zusätzlich problematisch für die Betroffenen wird.

Hoffmann sieht auch eine massive Zunahme bei Bedrohungen durch die sozialen Medien wie Facebook. "Es fehlt die Abkühlphase, vieles geht heute sofort und ungefiltert hinaus, weil es schnell und einfach geht, ein Posting oder eine WhatsApp-Nachricht zu schreiben." Früher war es viel aufwendiger, einen Brief zu verfassen, oft musste man die Sache erst noch überschlafen, "heute ist alles impulsiver, ohne viel darüber nachzudenken".

Der Schlüssel für Betroffene wie auch deren Unternehmen ist ein professionelles Bedrohungsmanagement, das Spannungen auflöst und Mitarbeitern eine Ansprechmöglichkeit gibt, die sonst nicht zur Verfügung stünde. Das Bedrohungsmanagement soll Wege aufzeigen, um die Konflikte zu lösen. Zumal viele Eskalationen vorhersehbar sind: Bei 90 Prozent der Taten sind die Täter schon vorher auffällig gewesen. Das berührt dann auch die Fürsorgepflicht des Unternehmens.