• vom 23.11.2015, 16:05 Uhr

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Update: 23.11.2015, 16:17 Uhr

Wikisource

Aschenputtel verrichtet Sisyphusarbeit




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Von Susanne Veil

  • Bei der ersten internationalen Wikisource-Konferenz ging es um die Bibliothek der Zukunft.

Ein Eisberg im Logo als Symbol für das Wissen bei "Wikisource" im Internet.

Ein Eisberg im Logo als Symbol für das Wissen bei "Wikisource" im Internet.© WikiSource Ein Eisberg im Logo als Symbol für das Wissen bei "Wikisource" im Internet.© WikiSource

Wien. Wikipedia informiert: Sisyphos war König von Korinth und Sohn des Aiolos. Bekannt durch seine Klugheit, legt er sich mit dem Tod an und wird verurteilt, einen Stein einen Berg hinauf zu stemmen, der ihm jedes Mal kurz vor dem Gipfel entgleitet und wieder ins Tal rollt. Möchte man nun alle 24 Gesänge von Homers "Odyssee" auf Altgriechisch lesen, landet man über einige Klicks auf Wikisource. Wikipedia ist eine Enzyklopädie, dort findet man die Beschreibung von Werken, ein ganzes Gedicht oder ein ganzes Buch findet man auf Wikisource.

Andrea Zanni, Vorstandsmitglied von Wikisource Italien und inhaltlich Verantwortlicher der Konferenz in Wien, erklärt: "Es gibt zwei Metaphern für das menschliche Wissen, das Bild der Enzyklopädie und das der Bibliothek. Beide stehen auch für verschiedene Schritte in einem Lernprozess. Mit einem Nachschlagewerk fange ich an, während ich in der Bibliothek tiefer gehe." Wikisource sei dabei die Bibliothek, der Ort, an dem umfassenderes Wissen in all seinen Nuancen gefunden werde. "Wir müssen die Wichtigkeit von verschiedenen Quellen wiederentdecken." Das Ziel der Konferenz sieht er darin, dass Wikisource aus seinem Schattendasein heraustritt und sein eigenes Selbstverständnis definiert. "Wikisource ist das Aschenputtel unter den Wiki-Projekten, es muss zu der Prinzessin werden, die es eigentlich ist", sagt er nicht ohne Selbstironie. Bis Wikisource aber bereit ist, die strahlende Prinzessin zu sein, muss es einfacher, besser und benutzerfreundlicher werden, ist er überzeugt.


Wie sieht Zanni die Zukunft des digitalen Lesens? Schließlich kann die Struktur von Texten auf Wikipedia auch frustrieren. Kein Text kann fertig gelesen werden, wenn er gespickt von Links dazu verleitet, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Zanni lacht und nickt: "Wikipedia ist wie ein Web auf Steroiden. Auch wenn ich an die Vorteile von Hyperlinks in Texten glaube, so ist doch Wikisource der bessere, der ruhigere Ort um zu lesen. Wie eine Bibliothek eben."

Kleine Geschichte der Digitalisierung
Das Logo von Wikisource zeigt einen Eisberg. Man könnte sagen, der kleine Teil über der Oberfläche stellt Wikipedia dar, während Wikisource sich als der ungleich größere Teil unter der Oberfläche versteht. Das Logo verweist auf eine kleine Geschichte der Digitalisierung: Die erste digitale Bibliothek war 1971 das Projekt Gutenberg. 2001 wurde Wikipedia gegründet, heute verwaltet von der Wikimedia Stiftung in San Francisco. 2003 kam Wikisource dazu, damals unter dem Namen Projekt Sourceberg, aus Wikisource und Gutenberg. Dass deswegen das Logo einen Eisberg zeigt, als Anklang an Gutenberg, ist einer der Witze, die auf dieser Konferenz fallen und die man sich allesamt hinterher erklären lassen muss.

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Dokument erstellt am 2015-11-23 16:08:04
Letzte Änderung am 2015-11-23 16:17:03


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