Es herrscht arbeitsame Betriebsamkeit, keiner ist nur zum Zuhören gekommen. Alle sind dabei, um aktiv mit anzupacken. Das ist ganz in Wiki-Sinne. Die Wiki-Software erlaubt jedem, an Online-Inhalten mitzugestalten, Web 2.0 also. ("Wiki" ist übrigens hawaiianisch für "schnell", lehrt Wikipedia.) Ein gewisser Pioniergeist liegt in der Luft, es fallen Sätze wie: "Wir können anfangen, digitale Gelehrte zu sein, denn es ist alles dort." Oder "Open Content ist darum wichtig, weil wir ihn in der Hand haben."

Open Content, also freie Inhalte, sind da verfügbar, wo Institutionen über Schätze an urheberrechtsfreiem Wissen verfügen. Um diese zu heben, gilt es für Wikisource, Kooperationen mit "GLAMs", also Galerien, Bibliotheken (Libraries), Archiven und Museen, einzugehen. Wie aber kann ein gemeinnütziges Projekt von zwar begeisterten aber ehrenamtlichen Digitalisierungsexperten gegen einen Konzern wie Google konkurrieren? "Weil Museen und Archive auch in der digitalen Welt ein Gemeingut und nicht gewinnorientiert sein sollten", erklärt Claudia Garád von Wikimedia Österreich. Wikisource biete eine Plattform, die das auch langfristig gewährleiste. Insgesamt aber ist die ganze Unternehmung noch ein großes Versuchsfeld. Kooperationen gab es bereits, wie zum Beispiel der Fotowettbewerb "Wiki Loves Monuments" zusammen mit dem Österreichischen Denkmalamt.

Wissensdurst als Antrieb
für Wikisource


Die Wege, die sie zu Wikisource brachten, sind bei den Konferenzteilnehmern denkbar verschieden. Beim einen ist es die Liebe zur englischen Literatur, die aus einem Eintrag zum britischen Gelehrten John Selden die Digitalisierung des "Dictionary of National Biography" in 63 Bänden hat werden lassen. Beim anderen war es der Wunsch, die eigenen Rechte zu kennen. Sodass das israelische Gesetz, welches von der Knesset selbst nur unvollständig im Netz verfügbar ist, in aktualisierter Version auf Wikisource gestellt wurde.

Angesichts solcher Herkulesaufgaben geraten auch Konferenzteilnehmer an den Punkt, zu fragen, ob das Glas des online verfügbaren Wissens nun halb voll oder halb leer ist. Man entscheidet sich für Optimismus, schließlich hinterlässt jede Anstrengung der Wikisourcler unumkehrbar ihre Spuren im Netz, weshalb der Fels nie wie bei Sisyphos ganz ins Tal zurückrollt.