• vom 25.11.2015, 21:32 Uhr

Medien

Update: 26.11.2015, 13:02 Uhr

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Von Muhamed Beganovic

  • Die Zahl der unabhängigen Zeitschriften im deutschsprachigen Raum wächst ständig - trotz Finanzierungsschwierigkeiten.

Keine Fotos in der Nische: Das Magazin "Reportagen" hat ein eigenes Illustrationskonzept.

Keine Fotos in der Nische: Das Magazin "Reportagen" hat ein eigenes Illustrationskonzept.© Reportagen Keine Fotos in der Nische: Das Magazin "Reportagen" hat ein eigenes Illustrationskonzept.© Reportagen

"Weltgeschehen im Kleinformat" steht in kleinen Buchstaben auf dem Leineneinband des im A5-Format erscheinenden Magazins "Reportagen". Statt eines Coverfotos gibt es nur die Titel der sechs im Heft abgedruckten Reportagen zu lesen. Diese Unverkennbarkeit ist durchaus gewollt. "Wir wollen unsere Marken-Identität pflegen und stärken. Was nicht passieren darf, ist, dass wir austauschbar werden", sagt Daniel Puntas Bernet, Gründer und Chefredakteur des Magazins. Er hat vor mehreren Jahren erkannt, dass die Nachfrage der Leser für lange, gut recherchierte Reportagen steigt, das Angebot jedoch wegen finanzieller Schwierigkeiten der Medien sinkt. Also beschloss er, diese Nische zu bedienen und gründete 2011 "Reportagen", das sechs Mal im Jahr erscheint und sechs sogenannte Longform-Reportagen abdruckt. Das sind Reportagen mit 30.000 oder mehr Zeichen Länge.

Fotos gibt es im Heft nicht. Stattdessen setzt man auf Illustrationen. "Der klare Fokus auf eine journalistische und literarische Gattung und die damit verbundene konsequente visuelle, haptische und inhaltliche Ausrichtung machen das Heft einzigartig", sagt Bernet. Vielleicht wird das Magazin deshalb als der kleine "New Yorker" gelobt.


"Brave" Verkaufszahlen
Eine kleine Bestandsaufnahme zum Welttag der Zeitschriften am heutigen Donnerstag: Die Zahl der unabhängigen Magazine ist im deutschsprachigen Raum in den letzten fünf Jahren gestiegen. "Ich würde von einem kleinen Boom sprechen", sagt Peter Wagner, Herausgeber und Chefredakteur der deutschen Zeitschrift "Das Buch als Magazin". Damit hat er recht. Etwa zwei Dutzend neue Titel sind auf den Markt gekommen. Darunter "The Weekender", "Das Wetter", "The Hour", "MC1R", "Die Option" und viele mehr. Was sie alle vereint, ist ihr Fokus auf eine bestimmte Nische.

"Das Buch als Magazin" richtet sich an jene, die sowohl Literatur als auch Journalismus lieben. Im vorderen Teil des Heftes werden Literaturklassiker abgedruckt, aktuell ist es Goethes "Faust", und im hinteren Teil dann Reportagen, Essays und Interviews, die von den Motiven der Erzählung inspiriert wurden. Seit 2013 gibt es das Magazin. Die Abo- und Verkaufszahlen sind "brav und schlicht" gewachsen. "Wir haben weniger Leser als vielmehr echte Liebhaber", sagt Wagner mit Stolz. Auch das von Mario Münster und Maren Heltsche gegründete Magazin "Rosegarden" konnte schnell Leserschaft gewinnen. Seit 2013 gibt es "Rosegarden" als Online-Zeitschrift. Bekannt und beliebt ist sie wegen ihrer subjektiven und entschleunigten Berichterstattung. "Wir versuchen möglichst klug, manchmal ironisch, gerne demütig von dem zu erzählen, was uns begegnet. Ohne uns dabei selber über die Dinge zu stellen", sagt Chefredakteur Mario Münster. "In der Generation der 25- bis 45-Jährigen gibt es einen enormen Bedarf an Deutung und Orientierung. Mit dem Stil hoffen wir, diese doch sehr verrückte Welt in Geschichten zu verpacken, die dabei helfen, unsere Tage zu verstehen", erklärt er. "Rosegarden" wollte dann einen Schritt weitergehen. "Wir haben uns in den Print gewagt, weil es einen Bedarf an guten Geschichten gibt", erklärt Münster. Die erste Print-Ausgabe kam Anfang 2015 mit Hilfe von Crowdfunding auf dem Markt. "Ab der kommenden Ausgabe planen wir, stärker werbefinanziert zu arbeiten und über ein Subskription-Modell", sagt der Chefredakteur.

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Schlagwörter

Magazin, Zeitschrift, Medien, Print

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-11-25 16:35:07
Letzte Änderung am 2015-11-26 13:02:08


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